Archiv für die Kategorie ‘Methodik’
30. April 2013
Die Guten sterben früh.
Peter Haber (Basel) ist tot. Die Redaktion von kritische-geschichte dokumentiert deswegen nachfolgend den Text, der dazu auf HSozKult erschienen ist.
“Am Wochenende erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser geschätzter Basler Kollege Peter Haber nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. In der Redaktion von H-Soz-u-Kult und den Steuerungsgremien unserer Projekte werden wir ihn als warmherzigen Menschen und Freund, als Ideengeber und streitbaren Diskutanten sehr vermissen. Zum Gedenken an Peter Haber hat sein Freund und Projektpartner Jan Hodel auf dem Weblog hist|net eine Seite eingerichtet, auf die wir gerne verweisen möchten: http://weblog.hist.net/archives/6667.
“Wieso eigentlich sollen sich Historiker mit Neuen Medien und dem Internet befassen?” So lautete die Leitfrage der Tagung “Raumlose Orte – geschichtslose Zeit” in Basel im Jahr 2001, auf der wir Peter Haber zuerst persönlich kennenlernten. Von da an war er ein Begleiter und Impulsgeber unserer Projekte. Seit fast zehn Jahren war Peter Haber ehrenamtliches Mitglied der Fachredaktion von H-Soz-u-Kult und betreute dort über hundert Rezensionen primär zur Schweizergeschichte. Die letzte Rezension von einem Kollegen aus Bielefeld über eine transnationale Geschichte des Schweizerischen Nationalparks[1] versinnbildlicht Peter Habers grenzüberschreitende Arbeitsweisen – aus dem Dreiländereck heraus verflocht er in seiner Redakteurspraxis die deutschen, schweizerischen, französischen und amerikanischen Forschungsräume. Darüber hinaus hat sich Peter Haber engagiert in Diskussionen um die langfristige Entwicklung der digitalen Dienste von H-Soz-u-Kult und Clio-online eingebracht und hat sich nie gescheut, auch praktische Verantwortung beispielsweise als interner Gutachter, Herausgeber oder Mitorganisator von Veranstaltungen zu übernehmen. So begleitete er den Start von Docupedia-Zeitgeschichte in intensiven Diskussionen. Die Tagungen .hist2003, .hist2006 und .hist2011 prägte er nicht nur vorab in ihren Schwerpunkten mit, sondern auch durch eigene Panels und Vorträge.[2] (weiterlesen…)
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29. April 2013
In Kitas, Schulen, in Weltläden, in der pädagogischen Begleitung von Freiwilligendiensten und der Erwachsenenbildung: Entwicklungspolitische Bildungsarbeit hat sich in den letzten Jahren vielen Zielgruppen erschlossen und soll zukünftig weiter institutionalisiert werden. Orientiert am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, soll entwicklungspolitische Bildungsarbeit Bewusstsein für globale Zusammenhänge schaffen und die Übernahme von Verantwortung fördern. Doch wie wirkt sie in die Gesellschaft? Welche Effekte erzielt sie bei den Zielgruppen? (weiterlesen…)
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18. Dezember 2012
Der Schweizer Historiker Peter Haber hat im September auf der Docupedia-Zeitgeschichte seinen Beitrag Zeitgeschichte und Digital Humanities, Version: 1.0, publiziert.
Der Anreisser lautet: “Ist Facebook eine zeithistorische Quelle, und wer archiviert die Tweets der Politiker? Wie nutzt man digitale Quellen, und wie verändert sich die Quellenkritik, wenn die Kopie sich vom Original nicht mehr unterscheiden lässt? Seit Beginn der 2010er-Jahre wird unter dem Stichwort “Digital Humanities” insbesondere im angelsächsischen Raum eine intensive Debatte über neue Potenziale für die Geisteswissenschaften geführt: Peter Haber zeichnet in seinem Beitrag die Entwicklung der Digital Humanities nach und fragt, ob sich mit der Digitalisierung nicht nur die Qualität und Quantität der Quellen, sondern auch der gesamte Arbeitsprozess von Zeithistoriker/innen verändert hat.”
Aus der docupedia ist auch das Buch Frank Bösch/Jürgen Danyel (Hg.): Zeitgeschichte. Konzepte und Methoden. Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2012, 464 S., entstanden, das u.a. hier auf der Website der RLS kritisch rezensiert wird.
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30. Juni 2012
Die angemessen Darstellung komplexer Vorgänge ist immer eine große methodische Herausforderung. Wichtige Lösungsansätze kommen für meine Begriffe aus der dialektisch-kritischen Literatur- und Kunsttheorie. Und zwar von den Autoren, die eine besondere Nähe zu historischen Stoffen und historischer Arbeit haben. Walter Benjamin und Ernst Bloch zum Beispiel, aber auch von Peter Weiss. Dieser sagte beispielsweise 1974 in einem Gespräch über seine Arbeit:
Grundsätzlich könnte man mich als “Traditionalisten” bezeichnen, indem die gesamte Weltkultur für mich vorhanden ist und in jeder ihrer Perioden ihre bedeutenden Leistungen aufweist. Das Verhältnis zu den Werken aller Zeitalter indessen schließt ein, daß man auch dort die jeweiligen Widersprüche erkennt und die jeweiligen Klassenbedingtheiten. Du erwähntest Hölderlin. Dabei ging es mir ja auch nicht darum, Hölderlin gegen Goethe auszuspielen, sondern nur in einer Konfliktsituation verschiedener Haltungen und Auffassungen einander gegenüberzustellen. Ich finde zum Beispiel Engels’ Charakterisierung Goethes als äußerst zutreffend, da er beide Seiten Goethes zu treffen vermag. Das ist ja gerade das Wesen der Kunstwerke, daß man sie immer wieder mit neuen Augen betrachten kann und daß man aus Werken, die von den herrschenden Klassen für sich in Anspruch genommen wurden, neue Werte herauszulesen vermag, die – wie ich meine – zu einer klassenlosen Gesellschaft gehören. Der Sturm gegen die Kultur, das Trachten nach dem Sturz von Kulturwerken ist mir immer unverständlich gewesen, wenn auch zum Beispiel der Dadaismus als zeitbedingte Erscheinung interessant und verständlich ist. Natürlich spielen hier herein Erlebnisse aus der Zeit des Aufwachsens, wo ein persönliches Element des Protests und Aufruhrs konfrontiert wurde mit einer Klassikerauffassung, die autoritär und konservativ war.
Quelle: Manfred Haiduk im Gespräch mit Peter Weiss über Die Ästhetik des Widerstands, 30. August 1974, 213f; in: Rainer Gerlach und Matthias Richter (Hg.): Peter Weiss im Gespräch, Frankfurt am Main 1986.
Schlagwörter:Darstellung, Dialektik, Erbe, Kunstgeschichte, Weltkultur
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23. Mai 2012

Gefangene Herero-Frauen, DSWA, 1904; Bildarchiv der Dt. Kolonialgesellschaft, Frankfurt/M.
Seit einiger Zeit debattiert die Osteuropageschichte und zunehmend auch die NS-Forschung die räumliche Wendung in der historischen Genozidforschung und ihr bisher prominentestes Ergebnis, Timothy Snyders Bloodlands (München 2011). In der Süddeutschen Zeitung Online (23.5.12) diskutiert der Berliner Historiker Michael Wildt nun unter dem Titel “Ist der Holocaust nicht mehr beispiellos?” die Möglichkeiten, Probleme und die Kritik an dieser neuen Lesart der genozidalen Gewalt in Mittel- und Osteuropa. Insbesondere die Einfügung des Holocaust in die Gewaltgeografie des 20. Jahrhundert ist dabei umstritten. Wildt argumentiert in dieser Hinsicht weniger über die historische Methodik des einebnenden Systemvergleichs, sondern über neuere Konzeptionen der Verflechtungs- und Transfergeschichte:
Das gilt besonders für die “bloodlands”. Gewalt wird durch die vergleichende Analyse nicht gleich, sondern klarer. Die Schoah gehört in diesen Gewaltzusammenhang des zwanzigsten Jahrhunderts wie die stalinistische Politik und die europäische koloniale Gewalt in Afrika, Asien und Lateinamerika – als vielfach verflochtene, aufeinander Bezug nehmende, aber eben keineswegs gleichzusetzende Geschichte.
Damit werden die ideologischen und methodischen Untiefen des Historikerstreits von 1986/87 vermieden, ohne die globalen Beziehungen der verschiedenen genozidalen Ereignisse und Handlungen zu verdecken.
Zum “komplexen Geschehen, das Historiker heute untersuchen”, gehöre so Wild “eine Vielzahl von Gewaltakteuren, Gewaltsituationen und Gewaltentscheidungen”. Dies führt zu einem weiteren Desiderat, das Wild nicht explizit anführt. Eine globale Transfergeschichte, die genozidale Gewalt als eine Geschichte verflochtener Räume, Ideologien und Handlungen zeigt, darf die Ebene der lokalen Aushandlung von Gewalt nicht übersehen. Diese Ebene sollte nicht hinter Chiffren wie “Kollaboration” oder “Mitschuld” verschwinden. Die Beziehungen und Aushandlungen auf und zwischen unterschiedlichen Untersuchungsebenen sind v.a. eine Herausforderung an die zukünftige Darstellung historischer Gewalt.
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21. Mai 2012
Hist.Net, die Uni Innsbruck und der Oldenbourg Verlag haben einen Call for Papers (blogs) veröffentlicht, der einlädt, Beiträge über das Bloggen in der Geschichtswissenschaft zu verfassen. Die Texte sollen sowohl online als auch als Buch veröffentlicht werden.
Gespannt sein darf man, wie sich die BetreiberInnen des Blogs historyblogosphere.org und der Verlag das “Open Peer Review Verfahren”, das auf der Homepage angekündigt ist, im einzelnen vorstellen. So etwas kann ja höchst unterschiedlich gestaltet sein: werden z.B. die als Buch zu veröffentlichen Beiträge in einem offenen ranking der NutzerInnen ausgewählt – eine interessante Frage, wenn old and new media zusammenkommen sollen. Und: Wie wird das Review als prozessuale Form in ein Buch “umgesetzt”, denn im Blog ist es ja Teil der Wissens- und Textproduktion?
Vielleicht wird einer der BeiträgerInnen auch anmerken, dass das Medium Blog nicht unbedingt schon “in der Geschichtswissenschaft angekommen” ist, wie der CfP formuliert. Und die Frage stellen, ob Geschichtsblogs nicht vielmehr die Grenze zwischen Wissenschaft und anderen Geschichtspraxen verwischen und ob nicht genau das eine große Chance sein kann, eine Lücke zwischen institutionalisierter Produktion von Geschichtswissen und vielfältigen sonstigen Interessen an und Gebrauchsweisen von Geschichte zu verkleinern.
Ich bin auf das Ergebnis gespannt.
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7. April 2012
Ich bin zunehmend der Meinung, dass Thompsons Buch Das Elend der Theorie. Zur Produktion geschichtlicher Erfahrung (1980) zur Grundausstattung eines jeden Historikers und einer Historikerin gehört. Auch – oder gerade weil – das Buch eine polemische Auseinandersetzung mit dem strukturalistischen Marxismus ist. Aus der Sicht eines an Marx geschulten Historikers, der Marx methodisch viel näher ist als seine Kontrahenten. Eine in diesem Zusammenhang für mich sehr wichtige Aussage betrifft zum Beispiel das Problem der historischen Logik. Thompson schreibt:
Daß historische Erklärungen keine absoluten Feststellungen treffen und keine hinreichenden Begründungen liefern können, irritiert einige schlichte und ungeduldige Seelen. Sie meinen, daß die historische Erklärung, da sie nicht Alles sein kann, nichts ist, daß sie nicht mehr ist, als ein phänomenologisches Erzählen. Das ist ein dummer Fehler. Denn die historische Erklärung sagt nicht, wie die Geschichte sich ereignet haben muß, sondern warum sie sich so und nicht anders ereignet hat. Sie sagt,
- daß ein Prozeß nicht willkürlich abläuft, sondern seine eigene Regelhaftigkeit und Rationalität besitzt;
- daß bestimmte Arten von Ereignissen (politische, ökonomische, kulturelle) miteinander verbunden waren, nicht so, wie es jemanden gerade beliebt, sondern in bestimmter Weise und im determinierten Feld der Möglichkeiten;
- daß gewisse Gesellschaftsformationen weder durch »Gesetze« gesteuert werden, noch »Effekte« eines statischen strukturellen Theorems sind, vielmehr durch eine determinierte Beziehungen und eine besondere Logik des Prozesses gekennzeichnet sind. (S. 95, Aufzählungszeichen von mir, RH)
Ein anderes Thema Thompsons, Kategorien wie “Klasse” als historische Kategorien zu verstehen, bringe ich vielleicht ein andermal. Das gehört da unbedingt dazu.
Weitere Beiträge im Blog zu Thompson:
Schlagwörter:Historischer Materialismus
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4. November 2011

Kreolischer Schwertkampf. Südamerikanische Gauchos bei der Arbeit nach 1900, Quelle: Wikimedia Commons
Am vergangenen Mittwoch (2.11.11) trug Jürgen Kocka in Göttingen (SOFI) seine sozialhistorische Perspektive auf die Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 fortfolgende vor. Ich habe diesen Vortrag besucht in der Hoffnung, von einem Veteran historischer Sozialforschung eine Analyse der derzeitigen Kapitalismuskrise zu hören, die dem Pragmatismus oder soll man sagen der Banalität der öffentlichen Analysen eine Tiefendimension verleiht. Diese Hoffnung hat sich nur zu einem Teil erfüllt. Allerdings haben mich Kockas Reflexionen in Kombination mit seinem Hinweis auf die neuen Perspektiven der Globalgeschichte auf einige Ideen gebracht, die man m.E. bei einer historischen Kapitalismusanalyse berücksichtigen müsste. Diese möchte im Folgenden kurz zur Diskussion stellen, im Bewußtsein als wirtschaftsgeschichtlicher Laie damit ein gewisses Risiko einzugehen: die meisten haben damit zu tun, nicht von Kapitalismus, sondern von Kapitalismen oder einer Pluralität marktwirtschaftlicher Systeme zu sprechen. Doch zuerst zu Jürgen Kocka:
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Schlagwörter:Kapitalismus
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31. Juli 2011

Ellen Meiksins Wood
Bereits vor einem Jahr erschien die deutsche Ausgabe von Ellen Meiksins Wood Democracy against Capitalism. Renewing historical materialism. Um es vorweg zu nehmen: Das Buch enthält mit dem Beitrag Klasse als Prozess und Verhältnis einen elementaren methodischen Text für Sozialwissenschaftler(innen) im allgemeinen und Historiker(innen) im Besonderen – nicht zuletzt weil darin der Ansatz des Historikers E. P. Thompson erläutert und weitergeführt wird.
Doch zuvor ein paar Zeilen zum Buch selbst. Das Original erschien 1995 und war schon damals eine Zusammenfassung verschiedener Essays, die Wood zwischen 1981 und 1994 publiziert hatte. Insofern überrascht es nicht, dass die Texte in Democracy against Capitalism ein Zeugnis bereits zurückliegender innermarxistischer Debatte sind.
Deshalb wirkt das Buch zumindest aus heutiger Sicht etwas oldfashioned und ist es zum Teil auch. Wood arbeitet sich an Louis Althusser, Max Weber und anderen alten Männern der Sozialtheorien ab. Das erscheint streckenweise weniger als Erneuerung des historischen Materialismus, denn als Wiederaufnahme alter Schlachten. Im Nachhinein betrachtet wäre es schon in den 1980ern produktiver gewesen, frisch an das Thema heranzugehen und den alten Granden nicht soviel Raum zu geben. Vor allem, wenn man sich von ihnen distanzieren will. Aber die Herren waren damals wohl zu dominant.
Probleme des ahistorischen strukturalistischen Marxismus
Die deutsche Ausgabe lohnt sich aber schon wegen dem Beitrag Klasse als Prozess und Verhältnis. Ellen Meiksins Wood versucht darin, aus dem Werk E.P.Thompsons eine Klassentheorie herauszufiltern. Und sie stellt dabei Thompsons Ansatz dem strukturalistischen Marxismus gegenüber. Wood nimmt Thompson gegenüber Althusser und seinen Verteidigern in der New Left in Schutz. Ihre intellektuellen Opponenten haben klingende Namen wie Stuart Hall, Perry Anderson oder Nikos Poulantzas. (weiterlesen…)
Schlagwörter:Historische Analyse, Klasse, Marxismus, Strukturalismus, Theorie
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11. Juni 2011

Ein interessantes Fundstück von Slavoj Žižek. Der bekannte politische Philosoph formulierte in seinem Vortrag auf der Marxismus-Konferenz in Bloomsbury 2009 folgenden Gedanken:
I would like beginn with Adorno, who at the very beginning again of his Three studies of Hegel rejects this traditional, patronizing question “What is still alive and what is dead in Hegel?” According to Adorno such a question presupposes an arrogant position of a judge who can graciously concede “Yes, this is maybe still actual for us today”.
But Adorno points out, when we are dealing with a truly great philosopher, the question that be raised is not, what can this philosopher tell us, but the opposite one, what are we – our contemporary situation – in his eyes? How would our epoch appear to his – or her of course – thought?
And the same should be done with communism. Instead of asking the obvious stupid question “But is the idea of communism still pertinent today? Can it still be used as a tool for the analysis and political practise?” one should ask the opposite question: How does our predicament today look from the perspective of the communist idea? This is the dialectic of the old and the new.
Wer den Text bei Adorno sucht, wird ihn nicht genau so finden, wie er hier von Žižek formuliert ist. Er hat die Grundidee wesentlich weiter ausgeführt und illustriert. Žižek will eine Perspektivenverschiebung, die es erlaubt, sowohl Vergangenes in seinen historischen Kontext zu setzen als auch überzeitlich Gültiges zu formulieren. So lässt sich meiner Meinung nach auch sinnvoll über Fort- und Rückschritte diskutieren, ohne von einem inhärenten Sinn der Geschichte oder einem Fortschrittsautomatismus auszugehen – oder gegenwärtige Verhältnisse zu rechtfertigen
Meiner Meinung nach wird man schnell in Schwierigkeiten geraten, wenn man wie Žižek den Ansatz auf eine ganze historische Bewegung überträgt. Im Fall des Kommunismus kann man zwar von bestimmten Grundideen ausgehen, aber man wird auch umgehend konkretisieren müssen, welchen oder wessen Kommunismus man genau meint. Der Bezug auf eine konkrete Person (z. B. Philosoph) oder eine eingrenzbare Gruppe erscheint mir für diesen Zugriff auf die Geschichte sehr wichtig. (weiterlesen…)
Schlagwörter:Adorno, Dialektik, Fortschritt, Hegel, Kommunismus
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