Posts Tagged ‘HKWM’

Formen eingreifenden wissenschaftlichen Schreibens?

11. April 2011

An den Universitäten verbringt der Historikernachwuchs viel Zeit mit der Klärung, was wissenschaftliches Arbeiten ist, wie man korrekt mit Quellen umgeht und welche wissenschaftlichen Texte es generell gibt. Eine Auseinandersetzung damit, wie Texte angelegt sein können, um Handlungsalternativen wissenschaftlich diskutierbar zu machen, ist im etablierten bürgerlichen Wissenschaftsapparat eigentlich kein Thema.  Es gibt aber ein paar Darstellungsformen, die für eine eingreifende Wissenschaft besonders wichtig sind

Ein HKWM Cover

Die erste Form möchte ich als historisch-kritische Darstellungsform bezeichnen. Die historisch-kritische Form versucht Entwicklungen nachzuzeichnen, wobei zeitgenössische Aporien, Kontroversen, aber auch ausgeschlagene Möglichkeiten  im Mittelpunkt stehen. Ein Beispiel für die historische Form sind aus meiner Sicht die Einträge im Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM). Dort geht es, wie auch bei den Geschichtlichen Grundbegriffen (1972-1997), nicht um exakte, überzeitlich gültige Begriffsdefinitionen, sondern um die Rekonstruktion eines Problems.  Die Einträge beginnen im Trailer mit einem Problemaufriss. Darin wird die Relevanz und die Aktualität für heutige Emanzipationskämpfe erläutert. Das erkenntnisleitende Interesse wird deutlich. Der anschließende historische Teil führt entlang der verschiedenen Epochen das Problem aus und setzt es in den jeweiligen historisch-sozialen Kontext. Erwünscht ist dabei, so die Herausgeber, ein „stereoskopischer Effekt“. Der online verfügbarer Beispielartikel „Indische Frage“ kann einen groben Eindruck des allgemeinen Aufbaus vermitteln. (more…)

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HKWM-Artikel zur Kommunismus-Debatte

8. Januar 2011

Die Hysterie der öffentlichen Reaktionen, die der Beitrag von Gesine Lötzsch in der Zeitung junge Welt über die Wege zum Kommunismus ausgelöst hat, sagt auch viel über die Defizite der historisch-politischen Bildung in Deutschland aus. Eine Gesellschaft, die über eine gerechtere und demokratischere Ordnung nachdenkt, wird aber um die Auseinandersetzung mit der historischen Erfahrung kommunistischer Bewegungen nicht herumkommen.

Als Ausgangspunkt für eine vertiefte Auseinandersetzung kann ich vor allem den Artikel „Kommunismus“ im neuesten Band des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) empfehlen.  Den Artikel gibt es auch zum Download, kostet allerdings 7 Euro.

Aktualisierung: Der Artikel ist von der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf dieser Seite neben vielen anderen interessanten Informationen zum Download bereitgestellt worden.

Anarchismusgeschichte von R. Graham und ein Kommentar zu dialogischer Geschichtsschreibung

12. Juli 2009

Ich in eben über den anarchistischen Historiker Robert Graham gestolpert.  Graham arbeitet am letzten Band seiner Anarchismusgeschichte, „Anarchism: A Documentary History of Libertarian Ideas“, der im Herbst fertig sein wird. Ich glaube, die sollte man auf jeden Fall auf dem Radar haben.

Hier ist übrigens sein Blog bei WordPress und hier der Eintrag in der Anarchopedia.

So gut ich es übrigens finde, dass immer wieder vernünftige Arbeiten über Strömungen entstehen, so sehr bin ich überzeugt, dass die Zukunft nicht in diesen „Hausgeschichtsschreibungen“ zu suchen ist. Die Entwicklung einer Strömungsgeschichte ist eigentlich nur die Vorarbeit für eine Geschichtsschreibung, die verschiedene Akteure im wahrsten Sinne des Wortes „ins Gespräch“ bringen will. (more…)