Posts Tagged ‘USA’

Buchtipp: Linke amerikanischer Generationenroman

18. März 2014

9783608501162„Das zentrale Motiv von Jonathan Lethems linksradikaler Familiensaga ist die ständige Trennung der einzelnen Familienmitglieder, ganz so wie sich die Linken in ihren Gruppierungen und Parteien weltweit ständig streiten und spalten. Aber ebenso gibt es eine nicht aufkündbare Verbindlichkeit und Kontinuität – in der Linken ebenso wie in der Familie Zimmer.“ Jonathan Lethem führt die Leser_in in seinem Roman »Der Garten der Dissidenten« von den Kommunisten der 30er Jahre bis hin zu Occupy. Florian Schmid hat das Buch (Verlagswebsite) im ND rezensiert. Zur Buchbesprechung der „komplexe(n) historische(n) Aufarbeitung linker Geschichte“ (Schmid) bitte hier entlang.

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Class Dismissed – Wie das US-Fernsehen die Arbeiterklasse zeigt

18. Oktober 2012


Und gleich noch einmal YoutTube. Eine sehr gut gemachte Dokumentation über das US-Fernsehen: Class Dismissed – How TV Frames the Working Class.

Based on the book by Pepi Leistyna, Class Dismissed navigates the steady stream of narrow working class representations from American television’s beginnings to today’s sitcoms, reality shows, police dramas, and daytime talk shows.

Featuring interviews with media analysts and cultural historians, this documentary examines the patterns inherent in TV’s disturbing depictions of working class people as either clowns or social deviants — stereotypical portrayals that reinforce the myth of meritocracy.

Class Dismissed breaks important new ground in exploring the ways in which race, gender, and sexuality intersect with class, offering a more complex reading of television’s often one-dimensional representations. The video also links television portrayals to negative cultural attitudes and public policies that directly affect the lives of working class people.

Danke an Christiane für den Tipp.

Donny Gluckstein: A People’s History of the Second World War. Resistance versus Empire.

4. August 2012
111-SC-217401.Source: http://www.archives.gov/research/ww2/photos/images/ww2-102.jpg Collection:  http://www.archives.gov/research/ww2/photos/#germany

An American officer and a French partisan crouch behind an auto during a street fight in a French city, ca. 1944. Public Domain via Wikimedia Commons

Dieses Buch sollten alle kennen. A People’s History of the Second World War. Resistance versus Empire betrachtet die Geschichte des Zweiten Weltkriegs „von unten“. Und das bedeutet einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel. Die Befreiungs-, Widerstands- und Partisanenbewegungen erscheinen nicht als Anhängsel der westlichen Militärapparate oder als fünfte Kolonne der stalinistischen Sowjetunion, sondern als das, was sie in Wirklichkeit waren: eigenständige Bewegungen, die sich nicht nur gegen die mörderischen Achsenmächte zur Wehr setzten mussten, sondern auch noch mit den politischen Zielen der Alliierten in Konflikt standen.

Donny Gluckstein kann zeigen, dass es im Zweiten Weltkrieg zwei „parallele Kriege“ gab – einen „imperial war“ und einen „people’s war“:

Allied ruling classes battled to defend their privileged status quo from internal and external threats, while popular armed struggle strove for real, all-encompassing, human liberation and a more just, democratic future. Imperialists sacrificed life indiscriminately to achieve their end; partisans and guerillas defended local populations from aggression and agonised over the risks their actions posed for civilians. Conventional soldiers were subordinate to a rigid hierarchy and sworn to unquestioning obedience; fighters of the people’s war, whether in the soldiers‘ parliament in Cairo, the ghettos in Detroit, or the mountains of Greece, Yugoslavia and Italy, were conscious volunteers driven by ideological commitment.

Mehrheitlich zogen die Widerstandsbewegungen nach links, verwirklichten basis- und radikaldemokratische Ideen, beschäftigten sich mit sozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsentwürfen – natürlich jenseits des terroristischen sowjetischen  Modells.
Als Befreiungsbewegungen gewannen sie breite Unterstützung in der Bevölkerung. Für viele Menschen schien ab 1943 eine andere, demokratischere  Gesellschaftsordnung in greifbare Nähe zu rücken. Und die Befreiungsbewegungen waren die zentralen Akteure des möglichen Wandels.

„Parallel Wars“ – schwer zu vereinheitlichen

Gluckstein ergreift Partei für die Widerstands- und Partisanen-Bewegungen, weil ihre Projekte und Ziele systematisch aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurden. Und das geschah nicht ohne Grund: Die demokratie- und wirtschaftspolitischen Forderungen gingen weit über das hinaus, was die Supermächte akzeptierten und zuließen. Erst vor kurzem verdeutlichte Stéphane Hessels Buch „Empört euch!“ die politische Sprengkraft des Themas. Der ehemalige Résistance-Kämpfer sprach sich seiner millionenfach verkauften Schrift für die Wiederbelebung der Werte der Résistance aus.

Dankenswerterweise vermeidet Gluckstein jede Heroisierung und Simplifizierung. Er zeigt die Probleme und Ausprägungen der sehr heterogenen Bewegungen und thematisiert ihre inneren Widersprüche. So macht er unter anderem deutlich, dass „people’s war“  nicht einfach als Klassenkampf oder nationaler Befreiungskampf verstanden werden kann, sondern ein Amalgam aus beiden war.

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Alice Kessler-Harris: Capitalism, Democracy, and the Emancipation of Belief

16. Mai 2012


Alice Kessler-Harris widmete sich dem Thema auf dem diesjährigen Treffen der Organization of American Historians. Ein Beispiel, wie die politische Krise und die Occupy-Bewegung von progressiveren Historikerinnen und Historikern aufgegriffen wird. (via HNN)

Why (Would Activists) Archive?

2. Mai 2012


Thomas Wolf von Archivalia hat dieses Video von Activist Archivist gefunden. Die denken schon an morgen. Und auch hier stellt sich die Frage, wie man mit den digitalen Quellen archivalisch umgehen soll. Das betrifft ja nicht nur Videomaterial, sondern alle möglichen Dokumentarten bis hin zu Google-Maps zum Beispiel. Und wie finanziert man digitale Archive auf Dauer?

Public Historians: Dahin gehen, wo es brennt…

28. Dezember 2011

Day 9 Occupy Wall Street September 25 2011 Shankbone 27

Source: David Shankbone, Creative Commons Attribution 3.0 Unported, Wikimedia Commons

Dominik Rigoll hat hier vor einem Jahr geschrieben, eine kritische Geschichte müsse sich an die Tabus heranwagen. An die allgemeinen und an die „eigenen“. Sie müsse dahin gehen, wo es wehtut. Ich will diese These aufgreifen und verstärken: Engagierte Historikerinnen und Historiker müssen in Zukunft vor allem wieder dahin gehen, wo es brennt. Sie müssen effektiver in die öffentlichen Debatten eingreifen. (more…)

Neue historische Zeitschrift

18. April 2011

Eine neue Zeitschrift wird angekündigt: History of the Present. A Journal of Critical History [via Adresscomtoir]. Das Journal soll zweimal in Jahr im Verlag University of Illinois Press erscheinen – also wieder mal ein Printprojekt. Theoretisch festlegen will sich das Herausgeberteam irgendwie auch nicht:

We take seriously the influence of poststructuralism, but History of the Present is not a poststructuralist or postmodern journal.  It is not meant to push a particular theoretical line.  Articles will, of course, be informed by Derridean or Foucauldian or psychoanalytic or Marxist theory, but only as any of those theories contribute to the writing of history as critique.

Da mogelt man sich schon ein wenig um eine sehr wichtige Entscheidung herum. Es macht einfach einen fundamentalen Unterschied, ob man eine dialektisch-kritische Theorie zur Grundlage hat oder nicht. Deswegen muss man ja die Poststrukturalisten ja nicht gleich in die Tonne treten. Schade, aber vielleicht einfach nicht machbar.

Spannender finde ich das Herausgeberteam an sich: Joan Wallach Scott, Andrew Aisenberg, Brian Connolly, Ben Kafka, Sylvia Schafer, Mrinalini Sinha und als Managing Editor Andrea L. Volpe. Mit ihnen wird ein interessantes Themenspektrum abgedeckt. Langweilig wird es dem Team sicher nicht. Also einfach mal abwarten, wie sich das Projekt entwickelt.

Biograph von Malcolm X gestorben

11. April 2011

Ein Nachruf auf Manning Marable, einem der führenden Vertreter der Black History.

Eine kurze Geschichte der USA

21. Februar 2010

Stelle eben fest, dass ich doch YouTube-Videos einbinden kann (hab mich wohl das letzte Mal zu blöd angestellt). Meine Testdatei: Michael Moores „Kurze Geschichte der USA“. Ein Klassiker und immer wieder schön.

Howard Zinn gestorben

30. Januar 2010
Howard Zinn 2009

Howard Zinn 2009 (Wikimedia Commons, User B-Fest of Athens indymedia, CC Lizenz)

Der Historiker und politische Aktivist Howard Zinn starb mit 87 Jahren an einer Herzattacke. Zinn zählte neben Noam Chomsky zu den großen linken Intellektuellen in den USA.

Zinn war ein früher Gegner des Vietnam-Kriegs und engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung. „Seine Schriften veränderten das Bewusstsein einer ganzen Generation“, schreibt Chomsky über Zinn. Das bekannteste Werk Zinns ist das Buch „A People’s History of the United States“ (1980).

Siehe auch den Artikel auf kritische-geschichte.de