Posts Tagged ‘Interview’

Freiheitsliebe fragt Kritische Geschichte

1. Dezember 2013

Das Weblog „Die Freiheitsliebe“ hat ein Interview mit mir geführt, u.a. über Kritische Geschichte und Politik. Ich habs probiert, so gut ich konnte 🙂

Fakten mit Fiktionen – Ein Gespräch über historische Romane

4. Januar 2013

Wie kommt man eigentlich dazu, historische Romane zu schreiben? Mit welchen Problemen ist man konfrontiert? Und welche Chancen bietet dieses Genre? Notizen zu einem Gespräch mit Sarah Rubal, die einfach ein paar Romane geschrieben hat.

„Das ist ein Tabubruch“, sagt Sarah Rubal.
„Historiker schreiben keine Romane und schon gar keine Liebesgeschichten zwischen Indianern und Deutschen“.

Das sagt sie, weil sie es längst besser weiß. Drei Romane hat die Ethnologin bislang geschrieben. Und zwei Kinderbücher. Sarah Rubal hat eine Leidenschaft für das Schreiben entwickelt. Daneben hält sie diese Arbeit politisch für wichtig. Sie will eingreifen, ihr Wissen und ihre Fragen über Romane vermitteln.

Gesucht: Ideen für eine andere Welt

HK Causeway Bay Hysan Place at Lee Gardens Eslite Bookstore interior Visitors books Aug-2012

Man muss ja nur in eine x-beliebige Buchhandlung gehen, um die Bedeutung historischer Romane in der Alltagskultur zu begreifen. Tanja Kinkel, Ken Follet oder der „Cyberpunker“ Neal Stephenson mit seinem Barock-Zyklus prägen heute ganz maßgeblich Geschichtsbilder. In Millionenauflage. Jeden Tag. Im Urlaub. In der Straßenbahn. Egal, ob als klassisches Buch oder im Kindle. Auch in Kino und Fernsehen finden Die Säulen der Erde, Die Wanderhure oder Luther ihr Publikum.

Mag sein, dass aktuell die mental vom Neoliberalismus und Postmodernismus Zugerichteten im historischen Roman nach etwas suchen, das in Politik und Kultur nicht geboten wird.  Neu ist das Phänomen jedenfalls nicht.

Schon im 19. Jahrhundert faszinierten Leute wie Sir Walter Scott, William Harrison Ainsworth, Leo Tolstoi oder Charles Dickens ihre Leserinnen und Leser. Der historische Roman war der treue Wegbegleiter der neuen bürgerlichen Gesellschaft. Und er verdankte seine Popularität dem Aufblühen der historischen Wissenschaften.

Dann, im 20. Jahrhundert, entwickelte sich der historische Roman als Kunstform weiter. Auch linkspolitisch engagierte Autoren experimentierten mit den Möglichkeiten des Genres. Dafür stehen wieder große Namen wie Ricarda Huch, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Alfred Andersch, Peter Weiss oder Uwe Timm.

Trotz dieser langen Tradition gibt es bis heute keine genaue Definition, was einen historischen Roman eigentlich ausmacht, außer dass er historisch authentische Personen und Vorfälle behandelt oder zumindest in einem historisch beglaubigten Umfeld spielt und auf einem bestimmten Geschichtsbild beruht. (Vgl. Metzler, 201)

Man kann historische Romane entsprechend ihrem Selbstverständnis in einer einfachen Matrix kategorisieren:

  • Der Roman will nur unterhalten oder er will über die Unterhaltung die eigene Gesellschaft verändern. (X-Achse)
  • Er ignoriert weitgehend die historischen Fakten um sich auf die Komposition des Geschichtsbildes zu konzentrieren oder er lässt sich stark vom historischen Stoff leiten. (Y-Achse)

Historische Romane sind attraktiv, weil sie immer alternative gesellschaftliche Verhältnisse behandeln. Und auch, wie diese zustande kommen. Der historische Roman antwortet auf die kollektive Erfahrung gesellschaftlicher Veränderung und fragt nach Perspektiven. Und so liefern viele Romane, was die heutigen historischen Wissenschaften in der Tendenz nicht mehr liefern können oder wollen: Ansätze für eine andere Welt.

Die Faszination am historischen Roman ist der Versuch, das was Ernst Bloch als „Noch-Nicht-Sein“ als „Noch-Nicht-Haben“ bezeichnet, bildlich zu fassen. Aber wie macht man das, ohne in die Fallen der Romantik zu tappen? (more…)

Warum in Japan? Joachim Radkau über Umweltbewußtsein, Risikokultur und Atomkraft

20. März 2011

Die ZEIT führte am 17.3.11 ein Interview mit dem Technik- und Umwelthistoriker Joachim Radkau (Bielefeld). Darin geht Radkau unter anderem auf die Frage ein, warum sich in Japan im Vergleich zu Deutschland keine starke Anti-Atombewegung ausbildete. Dem entfernten Beobachter stellen sich in diesen Tagen viele Fragen über die vermeintliche „Technikgläubigkeit“ der Japaner, ihre Risikokultur angesichts der langen Erdbebenerfahrung, oder die Nachwirkung von Hiroshima und Nagasaki. Radkau stellt sich diesen Fragen, diskutiert sie, hinterfrägt gängige Stereotypen und bietet Hypothesen an, um die Fragen zu beantworten.

Daigo Fukuryu Maru (Glücklicher Drache V). Das japanische Fischerboot wurde im März 1954 bei einem US-amerikanischen Atombombentest verstrahlt. Alle 23 Besatzungsmitglieder erkrankten an der Strahlenkrankheit. Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain

Radkau hatte sich 1980 mit einer umfangreichen Studie zur Atomwirtschaft und Atomtechnik habilitiert (Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft 1945-1975. Verdrängte Alternativen in der Kerntechnik und der Ursprung der nuklearen Kontroverse. Reinbek 1983). Darin arbeitete er unter anderem die historische Pfadabhängigkeit der Atomtechnik in der Nachkriegszeit heraus, die sich u.a. an dem Vorbild der Kohlemeiler orientierte. Zugleich weist er auf den erschreckend hohen Anteil der PR-Kosten im Vergleich zu den Sicherheitskosten hin, den die Atomwirtschaft bereits vor 1980  verausgabte. 2002 veröffentlichte er eine globale Geschichte der Mensch-Natur-Beziehung (Natur und Macht, München 2002) und 2011 eine Geschichte der weltweiten Umweltbewegung (Die Ära der Ökologie, München 2011). Radkaus Bücher sind umfassende Erörterungen, die Erklärungsvarianten bis ins Detail ausloten und dabei durch eine umfassende Literaturkenntnis mit Schwerpunkt auf Fallstudien überzeugen. Sie bieten keine klaren Erklärungen und einfachen Lösungen, sondern hinterfragen gängige Erklärungsmuster. Sie bestätigen den Leser nicht – wie viele Geschichtsbücher am Sachbuchmarkt, sondern sie regen zum Denken an. Das macht sie enorm lesenswert.

Weitere Historikeranalyse zur Atomkraft in Japan:

Sebastian Conrad weist in der SZ vom 26.3.11 auf die Anti-Atom-Waffenbewegung in Japan hin.

Frank Uekötter reflektiert im History News Network der George Mason University die Technik der Leichtwasserreaktoren und warnt vor der Resilienz der Atom-Lobby.

 

 

Lernen von der Osterinsel?

29. Dezember 2009

Anonymous photograph: Easter Island, two Europeans and statue, c. 1880, Wikimedia Commons

Die Süddeutsche Zeitung bringt in ihrem Wirtschaftsteil derzeit eine Artikelserie zur Frage, welche Art von wirtschaftlichem Wachstum möglich und erstrebenswert ist. Zum 29.12.09 hat Moritz Koch Jared Diamond interviewt, den derzeit wohl bekanntesten wie erfolgreichsten Publizisten der globalen Umweltgeschichtsforschung. Die Spezialität des Geographen sind universalhistorische Werke, die sich mit Aufstieg und Fall ganzer Kulturen befassen, und diesen aus dem jeweiligen Umgang mit den ökologischen Grundlagen und den natürlichen Ressourcen erklären (z.B. Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Frankfurt/Main 1999 oder Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, Frankfurt/Main 2005). Diamond versteht sich v.a. als politischer Autor; das SZ-Interview verdeutlicht jedoch m.E.  paradigmatisch die Schwächen und Gefahren einer Geschichtsdeutung, die sich, was ihre Narrationen angeht, v.a. an Popularität, glatter Eingängkeit und Vereinfachung, um einer möglichst breitverständlichen Didaktik willen, orientiert. Ein Beispiel: (more…)

Anarchismus und Umweltbewegung in der DDR. Ein Interview

13. November 2009

Die Zeitschrift Graswurzelrevolution führte im Oktober ein Interview mit Wolfgang Rüddenklau. Dieser war in den 1980er Jahren Redakteur der Umweltblätter und später des telegraph – wie mir als Wessi gesagt wird, die wichtigsten Opposi­tionsblätter in der DDR. Er ist außerdem Mitbegründer der Umweltbibliothek, die ein wichtiger Treffpunkt und ein Mobi­lisationsort der basisdemokratischen Oppositionsbewegung in der DDR war.

Das Interview vermittelt einen kleinen Eindruck über alternative politische Subkulturen in diesen Jahren. Der zweite Teil des Interviews erscheint im Dezember und dann hoffentlich auch wieder auf Linksnet.

Radical history: Interview mit Howard Zinn (2001)

19. Juli 2009
Howard Zinn

Howard Zinn

Ein Fund, wie kann es bei Historikerinnen und Historikern anders sein, eines nicht mehr ganz aktuellen aber deswegen nicht weniger interessanten Interviews mit Howard Zinn aus der Reihe Conversations with History. Zinn ist US-amerikanischer Historiker und Aktivist, Autor von „A People’s History of the United States“.

In dem Interview geht Zinn auf seine Sozialisation in den 1960er Jahren ein und spricht darüber, wie ihm die „Lücken“ in der Geschichte bewusst wurden. Weiter tippt er wichtige Themen an: Klarheit und Emotion beim Schreiben, der Zusammenhang zwischen Aktivismus und Erkenntnis. Historiker müssen für Zinn verhalten optimistisch sein. Das ganze Interview kann auch auf Youttube bestaunt werden – den gruseligen Trailer muss man einfach vergessen.