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Der „Gedenkweg für die Opfer des Faschismus“ – Ein lokales Beispiel für geschichtspolitische Gegenbewegungen

24. April 2011

Es ist jedes Jahr so. Seit mittlerweile 40 Jahren gibt es in Regensburg den „Gedenkweg für die Opfer des Faschismus“. Dieser findet alljährlich am 23. April statt, also an dem  Tag, an dem die rund 400 Gefangenen des KZ-Außenlagers Colosseum in Stadtamhof 1945 zum Todesmarsch getrieben wurden. Und seit 40 Jahren weigert sich die CSU-dominierte Stadtspitze, diesem Gedenkmarsch beizuwohnen, weil auch Kommunisten teilnehmen.
Das bekannte Regionalblog Regensburg Digital schreibt:

Kommunisten, Christen und Konservative saßen zwar gemeinsam in den Konzentrationslagern, aber nein, gemeinsam der Opfer gedenken kann man nicht.

Die Auseinandersetzungen um die Erinnerung an den Faschismus in Regensburg mag ein gewisses bayerisches Lokalkolorit haben. Regensburg ist auch ein sehr interessantes Beispiel für geschichtspolitische Gegenbewegungen. Eine Geschichtswerkstatt gab es nie, aber  in den 1980ern und Gruppierungen wie die Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg, der VVN-BdA oder pax christi versuchen neben anderen Akteuren heute ideologische Schranken zu beseitigen. Die rechtskonservativ-neoliberale Universität Regensburg fällt als progressiver Akteur völlig aus.

Wer bei Regensburg Digital einmal etwas intensiver zu stöbern anfängt, bekommt einen ganz guten ersten Einblick. Und wenn ich mir ein Buch wünschen dürfte, dann eines, das die Regensburger Geschichtspolitik als exemplarischen Kampf um den Erinnerungsraum darstellt – und zwar nicht nur in Bezug auf die Zeit zwischen 1933 und 1945, sondern weit darüber hinaus bis hin zur Verklärung der bayerischen Monarchie und der Instrumentalisierung des Mittelalters für die Tourismusindustrie. Es darf natürlich auch eine Ausstellung sein…

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Regensburger Stadtspitze gibt sich lieber königstreu

17. Mai 2010
Protestaktion des Bundes für Geistesfreiheit, 9.5.2010

Protestaktion des Bundes für Geistesfreiheit, 9.5.2010

Es war ein Spektakel, das vor einer Woche in der Regensburger Innenstadt geboten wurde. Mit Festzug und Tieflader (!) wurde eine altes Reiterstandbild von König Ludwig I. vor den Regensburger Dom transportiert, um dann im Beisein der Regensburger Prominenz – bei Bier und Bratwürstel versteht sich – mit einem Kran auf den Platz gehoben zu werden, wo es schon 1902 stand. Man könnte es dabei bewenden lassen. Aber der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger bugsierte damit nicht zufällig einen antiaufklärerischen Antidemokraten in die Stadtmitte. Nicht die erste Eskapade des umstrittenen Oberbürgermeisters. (more…)