Posts Tagged ‘Kritik’

CfA: Was bedeutet Kritik heute?

18. Mai 2013

Begriff und Praxis der Kritik befinden sich seit einiger Zeit in einer tiefen Krise. Ein Grund dafür ist, dass ihre Voraussetzungen, die lange Zeit als selbstverständlich galten und deshalb kaum eigens reflektiert
wurden, problematisch geworden sind. Dazu gehören ein unterstelltes Interesse am Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, ein Vertrauen auf die Überführbarkeit von Kritik in emanzipatorische Praxis sowie ihr konstitutiver Zusammenhang mit Theorie und Wissenschaft.

In Reaktion auf diese Krise wird der Kritikbegriff inzwischen wieder kontrovers diskutiert. Neben Neubegründungen u.a. im Zeichen von Verdinglichung (Axel Honneth), Entfremdung (Rahel Jaeggi) oder Beschleunigung (Hartmut Rosa) ging es um die Aufarbeitung der Geschichte des Begriffs. Als Generalnenner der postmodernen Wende erscheinen die Abkehr von Kritischer Theorie und Ideologiekritik. Kritiker sagen, diese Abkehr münde in Affirmation und fröhliche Wissenschaft; Verteidiger betonen die qualitativ neuen Dimensionen dieser Kritik, die den Fallstricken der Dogmatik und des Standpunktdenkens entgehe und neue Perspektiven einer Pluralisierung der Kritik und ihrer Subjekte eröffne.
Dies führt zu Fragen nach den Maßstäben, Voraussetzungen und Modi von Kritik, nach den Subjekten der Kritik oder nach möglichen Formen ihrer jeweiligen Übersetzbarkeit und wechselseitigen Kritisierbarkeit. (more…)

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Notizen zum „Argument“

15. Juli 2010

Es ist ein Verriss. Jörg Auberg kritisiert in seinem Artikel „Kostümfeste des Grauens“ in der Aktion (Nr. 218, 210ff.) die Gruppe um die Zeitschrift „Das Argument.“ Im Prinzip bündelt Auberg vieles, was der Argumentgruppe und in erster Linie dem marxistischen Philosophen Wolfgang Fritz Haug, schon lange angekreidet wird: Das Loben des eigenen „intellektuellen Heroismus“, Elitarismus, hierarchische Arbeitsverhältnisse in den Redaktionen von Argument und dem Historisch-kritischem Wörterbuch. „Dem Unternehmen wird alles auf Gedeih und Verderb untergeordnet, auch wenn Anspruch und Realität weit auseinanderklaffen“. (123) Nun ist die Kritik ja durchaus nachvollziehbar und tritt mit Berechtigung auf. Ich habe oft gegrinst, weil vieles stimmt. Auberg stellt zurecht die Frage, ob das vom Argument ausgegebene Leitbild des kritischen Intellektuellen tatsächlich trägt. Dennoch greift die die Kritik Aubergs viel zu kurz, weil er nicht fragt, was man vom Argument-Projekt lernen kann. Und das ist nicht wenig. (more…)