CfA: Was bedeutet Kritik heute?

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Begriff und Praxis der Kritik befinden sich seit einiger Zeit in einer tiefen Krise. Ein Grund dafür ist, dass ihre Voraussetzungen, die lange Zeit als selbstverständlich galten und deshalb kaum eigens reflektiert
wurden, problematisch geworden sind. Dazu gehören ein unterstelltes Interesse am Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, ein Vertrauen auf die Überführbarkeit von Kritik in emanzipatorische Praxis sowie ihr konstitutiver Zusammenhang mit Theorie und Wissenschaft.

In Reaktion auf diese Krise wird der Kritikbegriff inzwischen wieder kontrovers diskutiert. Neben Neubegründungen u.a. im Zeichen von Verdinglichung (Axel Honneth), Entfremdung (Rahel Jaeggi) oder Beschleunigung (Hartmut Rosa) ging es um die Aufarbeitung der Geschichte des Begriffs. Als Generalnenner der postmodernen Wende erscheinen die Abkehr von Kritischer Theorie und Ideologiekritik. Kritiker sagen, diese Abkehr münde in Affirmation und fröhliche Wissenschaft; Verteidiger betonen die qualitativ neuen Dimensionen dieser Kritik, die den Fallstricken der Dogmatik und des Standpunktdenkens entgehe und neue Perspektiven einer Pluralisierung der Kritik und ihrer Subjekte eröffne.
Dies führt zu Fragen nach den Maßstäben, Voraussetzungen und Modi von Kritik, nach den Subjekten der Kritik oder nach möglichen Formen ihrer jeweiligen Übersetzbarkeit und wechselseitigen Kritisierbarkeit.

Unstrittig dürfte sein, dass die gegenwärtige Krise der Kritik in einem auffälligen Kontrast zu dem fortbestehenden, wenn nicht gesteigerten Problemdruck steht, auf den ältere Formen der Kritik geantwortet haben. Die dritte Ausgabe der Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie möchte zu den gegenwärtigen Auseinandersetzungen um den
Kritikbegriff beitragen. Die Aufsätze können das Thema der Kritik in verschiedenen Perspektiven erschließen: historisch, systematisch, politisch, vergleichend u.a. Besonders erwünscht sind Beiträge, die sich mit dem Erbe und Perspektiven der materialistischen Kritiktradition befassen oder neuere Ansätze mit dieser Kritiktradition in Verbindung
setzen.

Beiträge werden in den Sprachen Deutsch und Englisch angenommen. Es können auch Beiträge außerhalb des Schwerpunkts eingereicht werden.

Einreichungsfrist für Abstracts: 1.10.2013
Einreichungsfrist für die fertigen Beiträge: 1.4.2014

Aus dem Abstract sollen neben dem Thema des geplanten Artikels hervorgehen:
–  das angestrebte Erkenntnisziel, seine Relevanz und ggf. die theoretischen Bezugspunkte oder Methoden der Untersuchung
–  Quellenlage und Forschungsstand
– die Argumentationsstruktur bzw. der Aufbau des geplanten Artikels

Das Abstract ist ca. eine bis drei Seiten lang.

Kontakt: zsp(ädd)@degruyter(point)com

P.S.: Die erste Nummer erscheint erst im Frühjahr 2014 (und danach halbjährlich).

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