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Herr Stauffenberg und der ausgeblendete Widerstand

17. Juli 2010

Nicolas Guilmain, Panneau indicateur de la rue Ernst Jünger à Wilflingen (Allemagne), Lizenz: GNU, Q: Wikimedia Commons

Der AStA der Ruhr-Uni Bochum macht am 20. Juli eine Veranstaltung gegen den immerwährenden Stauffenberg-Hype. Fabian Wisotzky erinnert in seinem Blogbeitrag: „Stauffenberg selbst war Antisemit und nationalkonservativer Militarist, der die Ordnung der ’naturgegebenen Ränge‘ erhalten wollte.“ Und die Gruppe …nevergoinghome, die in Bochum einen Vortrag halten wird, schreibt:

Dass Stauffenberg selbst lange Anhänger des Nationalsozialismus und Antisemit gewesen ist und bis zu seinem Tod ein erklärter Feind der Demokratie, wird mittlerweile zugegeben. Jedoch wird gerade die späte Abkehr vom Nationalsozialismus als vorbildlicher Lernprozess gedeutet, in dem sich das heutige Selbstverständnis der Deutschen als „Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung“ spiegelt. Diese „Bewältigung“ geht allerdings immer Hand in Hand mit Strategien der Entlastung. Eine Entlastungsstrategie stellt dabei die Identifikation mit Stauffenberg dar. Die Geschichte des 20. Juli wird dabei als Ausdruck und Existenzbeweis eines angeblich „anderen“ Deutschlands präsentiert. Stauffenberg soll dabei ein Beispiel geben für angeblichen „guten“ deutschen Militarismus und Nationalismus, in dessen Tradition sich damit gestellt werden kann. Neben der Deutung des 20. Juli, die an die Erzählung von der modernen aufgeklärten Nation angknüpft, werden mit Stauffenberg daher auch immer wieder reaktionäre Werte wie Vaterlandsliebe, Militarismus und Opferbereitschaft aufgerufen – insbesondere bei den jährlichen öffentlichen Rekrutenvereidigungen der Bundeswehr am 20. Juli. Damit wird er gerade heute wichtig, wo Soldaten wieder für Deutschland sterben.

So weit, so gut. Aber dass es wirklich um die Aktualisierung der reaktionären Werte „Vaterlandsliebe, Militarismus und Opferbereitschaft“ geht, kann ich in dieser Zuspitzung nicht nachvollziehen. Ich würde etwas anders gewichten: (more…)