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Slavoj Žižek über die Dialektik des Alten und Neuen (2009)

11. Juni 2011

Andy Miah: Slavoj Zizek in Liverpool (2008), Lizenz: CC, Q.:Wikimedia Commons

Ein interessantes Fundstück von Slavoj Žižek. Der bekannte politische Philosoph formulierte in seinem Vortrag auf der Marxismus-Konferenz in Bloomsbury 2009 folgenden Gedanken:

I would like beginn with Adorno, who at the very beginning again of his Three studies of Hegel rejects this traditional, patronizing question „What is still alive and what is dead in Hegel?“ According to Adorno such a question presupposes an arrogant position of a judge who can graciously concede „Yes, this is maybe still actual for us today“.

But Adorno points out, when we are dealing with a truly great philosopher, the question that be raised is not, what can this philosopher tell us, but the opposite one, what are we – our contemporary situation – in his eyes? How would our epoch appear to his – or her of course – thought?

And the same should be done with communism. Instead of asking the obvious stupid question „But is the idea of communism still pertinent today? Can it still be used as a tool for the analysis and political practise?“ one should ask the opposite question: How does our predicament today look from the perspective of the communist idea? This is the dialectic of the old and the new.

Wer den Text bei Adorno sucht, wird ihn nicht genau so finden, wie er hier von Žižek formuliert ist. Er hat die Grundidee wesentlich weiter ausgeführt und illustriert. Žižek will eine Perspektivenverschiebung, die es erlaubt, sowohl Vergangenes in seinen historischen Kontext zu setzen als auch überzeitlich Gültiges zu formulieren. So lässt sich meiner Meinung nach auch sinnvoll über Fort- und Rückschritte diskutieren, ohne von einem inhärenten Sinn der Geschichte oder einem Fortschrittsautomatismus auszugehen – oder gegenwärtige Verhältnisse zu rechtfertigen

Meiner Meinung nach wird man schnell in Schwierigkeiten geraten, wenn man wie Žižek den Ansatz  auf  eine ganze historische Bewegung überträgt. Im Fall des Kommunismus kann man zwar von bestimmten Grundideen ausgehen, aber man wird auch umgehend konkretisieren müssen, welchen oder wessen Kommunismus man genau meint.  Der Bezug auf eine konkrete Person (z. B. Philosoph) oder eine eingrenzbare Gruppe erscheint mir für diesen Zugriff auf die Geschichte sehr wichtig. (more…)