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Fukushima als Tschernobyl des spätkapitalistischen Weltsystems? – Ein guter Artikel und zwei Bemerkungen zu Kapitallogik-Analysen

26. März 2011

Digital Globe, The Fukushima I Nuclear Power Plant after the 2011 Tōhoku earthquake and tsunami Date 16 March 2011, Lizenz:CC

Tomasz Konicz diskutiert in seinem Artikel „Das System ist die Katastrophe“ (telepolis, 26.3.2011), welche Folgen die Katastrophe in Japan auf die Weltwirtschaft und das gegenwärtige kapitalistische Weltsystem haben kann. Insgesamt ein, wie ich finde, sehr lesenswerter und reflektierter Beitrag.

Konicz Thema ist die atomare Katastrophe und ihr Zusammenhang mit der Eigendynamik des Kapitals und die Kapitallogik, denn:

[…] in Krisenzeiten (verfehlt die ) sehr beliebte Jagd auf Sündenböcke – ob nun Atomlobbyist oder Spekulant – den Kern des Problems. Obwohl die kapitalistische Gesellschaftsformation selbstverständlich „Menschenwerk“ ist, handelt es sich hierbei nicht um einen bewusst gesteuerten Prozess. Der Kapitalismus ist von der Entfaltung einer blinden, kaum kontrollierbaren Dynamik gekennzeichnet, deren zerstörerische Potenzen zuletzt in der Weltwirtschaftskrise einer Naturgewalt gleich über die Gesellschaft hereinbrachen. Hier haben nun Kapital und Kernkraft sehr viel gemeinsam. Auf einer abstrakten Ebene gleichen sich Kernspaltung und Kapitalverwertung frappierend; beides sind letztendlich unkontrollierbare Prozesse, die – einmal in Gang gesetzt – nicht einfach gestoppt werden können.

Die „menschengemachte“ Kapitaldynamik tritt den Menschen gesamtgesellschaftlich als eine „fremde“ Macht gegenüber, die ihr Leben durch „Sachzwänge“ den absurdesten Restriktionen unterwirft. Unsere Wirtschaftsweise kommt einem „äußeren“ Verhängnis gleich, das über uns mittels eines „Finanzbebens“ oder einer Weltwirtschaftskrise hereinbrechen kann. Wie diese gesamtgesellschaftliche Dynamik aus den „betriebswirtschaftlichen“ Entscheidungen der einzelnen Marktsubjekte erwächst, wurde weiter oben im Text anhand der Erfordernisse der Just-in-Time-Produktion beispielhaft verdeutlicht.

Damit beleuchtet Konicz einen zentralen Zusammenhang.
Leider weist aber seine Analyse auch zwei typische Probleme vieler Kapitallogik-Analysen auf. (more…)