Archive for the ‘Umweltgeschichte’ Category

Notizen über „Nutzen und Nachtheil“ kritischer Geschichte für das Leben

7. Januar 2014

In den vergangenen Monaten habe ich zusammen mit Kolleg/inn/en die Geschichte einer Umweltorganisation erarbeitet, die 2013 ihr 100jähriges Gründungsjubiläum beging. Was Historiker/innen kaum überrascht, war für viele Verantwortliche und Mitglieder dieser Organisation, die in den 1970er Jahren eine Wende vom staatsnahen Heimatverein zum kritischen Umweltverband durchlief, in der letztendlichen Deutlichkeit unerwartet.

Der Verband war auf organisatorischer, ideologischer und personeller Ebene mit dem Nationalsozialismus verflochten – er war ein integraler, wenn auch nicht unbedingt wichtiger Teil des NS-Machtapparats. Was mich als akademischen Historiker überrascht hat, waren die praktischen Fragen, die sich aus dieser neuen Sicht der Verbandsgeschichte ergaben und immer noch ergeben. Diese Überraschung möchte ich hier reflektieren und nehme dabei Friedrich Nietzsches Essay „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“ [1] zu Hilfe.

(more…)

Der lange Schatten des Imperialismus

17. Oktober 2011

Ein Dokumentarfilm der amerikanischen Regisseurin Pippa Scott zeigt die Funktionsweise der Ausbeutung von Natur und Bevölkerung im Kongo seit der Kolonialherrschaft des belgischen Königs Leopolds II. Auf youtube ist der Film in 11 Teilen abzurufen:

„Schatten über dem Kongo. Schreckensgeister der Kolonialherrschaft“, USA 2008, R: Pippa Scott, Buch: Pippa Scott, Adam Hochschild

Ruandische Minenarbeiten in Katanga, Belgisch-Kongo, 1925; Wikimedia Commons

Das Drehbuch basiert auf einen Buch des Journalisten Adam Hochschild (Schatten über dem Kongo. Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen, Stuttgart 2000). Mit reichlich zeitgenössischem Bild- und Filmmaterial verbindet der Film die Geschichte kolonialer Ausbeutung und öffentlicher Wahrnehmung in Europa. Er endet nicht mit der Übergabe der Kolonie an den belgischen Staat, sondern zieht die Verbindung zur Dekolonisation, der Ermordung des demokratischen Präsidenten Patrice Lumumba, zum bis heute andauernden Bürgerkrieg und der gegenwärtigen Ausbeutung von Metallen und ‚seltenen Erden‘ durch War Lords und westliche Bergbaukonzerne. Beeindruckend, erschreckend und ausführlich recherchiert analysiert der Film die Zusammenhänge von Kolonialismus, Globalisierung und die verflochtenen Lebenswelten im Kongo und in den alten wie neuen Metropolen in Amerika, Europa und Asien.

Dipesh Chakrabarty: Europa als Provinz

25. Mai 2011

Dieses Buch gehört nicht nur in jeden Historiker(innen)-Haushalt, sondern auch unbedingt gelesen. Das Buch Europa als Provinz. Perspektiven postkolonialer Geschichtsschreibung (Campus Verlag, 2010) sammelt zentrale Beiträge des indischen Historikers Dipesh Chakrabarty aus den letzten zehn Jahren – Chakrabarty ist ein Vorreiter der postkolonialen Geschichtsschreibung, genauer ein Hauptvertreter der Subaltern Studies.

Die Kleine Geschichte der Subaltern Studies veranschaulicht Ursprünge der Subaltern Studies Group in den 1980er Jahren. Dabei rekonstruiert Chakrabarty vorallem Ansätze seines akademischen Lehrers Ranajit Guha. Während sich die indische Nachkriegsgeschichtsschreibung stritt, ob die nationale Entwicklung Indiens eher eine Errungenschaft der britischen oder der indischen Eliten war, interessierte sich Guha schnell für die „subalternen“, vergessenen Klassen. Ein  Ansatz, der gut in die Geschichtsbewegungen der 1980er Jahre und ihrer „Geschichte von unten“ passte. Allerdings entwickelte Guha eigene Positionen und Herangehensweisen. (more…)

25 Jahre Tschernobyl – Erinnerungen an Stelle einer historischen Betrachtung

22. April 2011

Der Einband des Fotoalbums ist giftig grün – das war Mode damals. Der Audi 80 meines Vaters hatte die gleiche Farbe. Das Auto ist jetzt verschrottet, das Fotoalbum außen etwas abgeschabt, vom vielen Anschauen. Darin befindet sich ein Foto, das mich und meine Schwester im Garten zeigt mit Riesenkarotten in der Hand – wie Jagdtrophäen.

Weissrussische Briefmarke, Quelle: Wikimedia Commons

Schon oft habe ich mir überlegt, wann das war. Es muss wohl vor dem 26. April 1986 aufgenommen worden sein, ich bin noch zu klein.

Es fällt mir schwer mich zu erinnern an dieses Frühjahr, ich war 9. Eine Erinnerung habe ich – meinen Sandkasten ohne Sand, wie ein Krater hinterm Haus im Garten. Das ist kein gekaufter Sandkasten, sondern eine Art Betonwanne mit Holzbänkchen außenherum.

(more…)

Fukushima als Tschernobyl des spätkapitalistischen Weltsystems? – Ein guter Artikel und zwei Bemerkungen zu Kapitallogik-Analysen

26. März 2011

Digital Globe, The Fukushima I Nuclear Power Plant after the 2011 Tōhoku earthquake and tsunami Date 16 March 2011, Lizenz:CC

Tomasz Konicz diskutiert in seinem Artikel „Das System ist die Katastrophe“ (telepolis, 26.3.2011), welche Folgen die Katastrophe in Japan auf die Weltwirtschaft und das gegenwärtige kapitalistische Weltsystem haben kann. Insgesamt ein, wie ich finde, sehr lesenswerter und reflektierter Beitrag.

Konicz Thema ist die atomare Katastrophe und ihr Zusammenhang mit der Eigendynamik des Kapitals und die Kapitallogik, denn:

[…] in Krisenzeiten (verfehlt die ) sehr beliebte Jagd auf Sündenböcke – ob nun Atomlobbyist oder Spekulant – den Kern des Problems. Obwohl die kapitalistische Gesellschaftsformation selbstverständlich „Menschenwerk“ ist, handelt es sich hierbei nicht um einen bewusst gesteuerten Prozess. Der Kapitalismus ist von der Entfaltung einer blinden, kaum kontrollierbaren Dynamik gekennzeichnet, deren zerstörerische Potenzen zuletzt in der Weltwirtschaftskrise einer Naturgewalt gleich über die Gesellschaft hereinbrachen. Hier haben nun Kapital und Kernkraft sehr viel gemeinsam. Auf einer abstrakten Ebene gleichen sich Kernspaltung und Kapitalverwertung frappierend; beides sind letztendlich unkontrollierbare Prozesse, die – einmal in Gang gesetzt – nicht einfach gestoppt werden können.

Die „menschengemachte“ Kapitaldynamik tritt den Menschen gesamtgesellschaftlich als eine „fremde“ Macht gegenüber, die ihr Leben durch „Sachzwänge“ den absurdesten Restriktionen unterwirft. Unsere Wirtschaftsweise kommt einem „äußeren“ Verhängnis gleich, das über uns mittels eines „Finanzbebens“ oder einer Weltwirtschaftskrise hereinbrechen kann. Wie diese gesamtgesellschaftliche Dynamik aus den „betriebswirtschaftlichen“ Entscheidungen der einzelnen Marktsubjekte erwächst, wurde weiter oben im Text anhand der Erfordernisse der Just-in-Time-Produktion beispielhaft verdeutlicht.

Damit beleuchtet Konicz einen zentralen Zusammenhang.
Leider weist aber seine Analyse auch zwei typische Probleme vieler Kapitallogik-Analysen auf. (more…)

Warum in Japan? Joachim Radkau über Umweltbewußtsein, Risikokultur und Atomkraft

20. März 2011

Die ZEIT führte am 17.3.11 ein Interview mit dem Technik- und Umwelthistoriker Joachim Radkau (Bielefeld). Darin geht Radkau unter anderem auf die Frage ein, warum sich in Japan im Vergleich zu Deutschland keine starke Anti-Atombewegung ausbildete. Dem entfernten Beobachter stellen sich in diesen Tagen viele Fragen über die vermeintliche „Technikgläubigkeit“ der Japaner, ihre Risikokultur angesichts der langen Erdbebenerfahrung, oder die Nachwirkung von Hiroshima und Nagasaki. Radkau stellt sich diesen Fragen, diskutiert sie, hinterfrägt gängige Stereotypen und bietet Hypothesen an, um die Fragen zu beantworten.

Daigo Fukuryu Maru (Glücklicher Drache V). Das japanische Fischerboot wurde im März 1954 bei einem US-amerikanischen Atombombentest verstrahlt. Alle 23 Besatzungsmitglieder erkrankten an der Strahlenkrankheit. Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain

Radkau hatte sich 1980 mit einer umfangreichen Studie zur Atomwirtschaft und Atomtechnik habilitiert (Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft 1945-1975. Verdrängte Alternativen in der Kerntechnik und der Ursprung der nuklearen Kontroverse. Reinbek 1983). Darin arbeitete er unter anderem die historische Pfadabhängigkeit der Atomtechnik in der Nachkriegszeit heraus, die sich u.a. an dem Vorbild der Kohlemeiler orientierte. Zugleich weist er auf den erschreckend hohen Anteil der PR-Kosten im Vergleich zu den Sicherheitskosten hin, den die Atomwirtschaft bereits vor 1980  verausgabte. 2002 veröffentlichte er eine globale Geschichte der Mensch-Natur-Beziehung (Natur und Macht, München 2002) und 2011 eine Geschichte der weltweiten Umweltbewegung (Die Ära der Ökologie, München 2011). Radkaus Bücher sind umfassende Erörterungen, die Erklärungsvarianten bis ins Detail ausloten und dabei durch eine umfassende Literaturkenntnis mit Schwerpunkt auf Fallstudien überzeugen. Sie bieten keine klaren Erklärungen und einfachen Lösungen, sondern hinterfragen gängige Erklärungsmuster. Sie bestätigen den Leser nicht – wie viele Geschichtsbücher am Sachbuchmarkt, sondern sie regen zum Denken an. Das macht sie enorm lesenswert.

Weitere Historikeranalyse zur Atomkraft in Japan:

Sebastian Conrad weist in der SZ vom 26.3.11 auf die Anti-Atom-Waffenbewegung in Japan hin.

Frank Uekötter reflektiert im History News Network der George Mason University die Technik der Leichtwasserreaktoren und warnt vor der Resilienz der Atom-Lobby.

 

 

Das Soziale und das Ökologische integrieren

11. Januar 2011

Die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom erklärt wie man gemeinsam nutzt, ohne zu zerstören.

Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom hat in ihrem Werk „Governing the Commons“ (1990) ein historisches Vorurteil widerlegt, das seit der Spätäufklärung die Debatte um den Zugang zu natürlichen Ressourcen beherrscht. Die Allmende sei ein verschwenderisches System, da jeder nur nutzt und sich keiner für die Erhaltung zuständig fühlt. Der Mikrobiologe Garret Hardin hat diese Aussage, die in der Konsequenz die radikale Privatisierungen von Umweltgütern bedeutet, in moderne naturwissenschaftliche Termini gegossen und die VerMarktung von Luft und Wasser gefordert, um sie zu erhalten:

Ruin is the destination toward which all men rush, each persuing his own interest in a society that believes in the freedom of the commons. Freedom in a commons brings ruin to all. (Hardin, 1244)

Schweine der New Forest Commoners (Hampshire/UK), Wikimedia, Creative Commons L., Foto: J. Champion

Schweine der New Forest Commoners (Hampshire/UK), Wikimedia, Creative Commons L., Foto: J. Champion

Hardin, der sich explizit auf historische Beispiele bezieht, missversteht dabei historische Allmendsysteme als frei von Regeln, obwohl diese fast immer lokal hoch regulierte Felder waren. In akribischen empirischen Langzeit-Studien hat Ostrom untersucht, unter welchen Bedingungen gemeinschaftliche Nutzungen (Almenden, Commons) von Land, Wald oder Wasser funktionieren. Funktionieren heißt in diesem Zusammenhang, dass die natürlichen Lebensgrundlagen einer Gemeinschaft auf lange Frist erhalten bleiben. Voraussetzungen für erfolgreich institutionalisierte Allmenden seien, so Ostrum (1990, 117), klar definierte Grenzen, Kongruenz von Aneignungs- und Erhaltungsregeln, Arrangements für kollektive Entscheidungen und Konfliktlösung, eine interne Lösung für die Überwachung sowie die Anerkennung durch überregionale (staatliche) Herrschaft.

Dass Ostrom 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt dürfte der Ausnahmesituation der globalen Finanzkrise seit 2008 geschuldet sein. Wahrscheinlich hätte sie auch den Alternativen Nobelpreis verdient.

Das African Studies Center der University of Michigan bietet auf seiner Homepage einen Mitschnitt eines Vortrags an, den Ostrom im Mai 2010 hielt. In knapp 60 Minuten Vortrag und Diskussion gibt sie einen Einblick in ihre Forschungsprojekte zur Integration von Ökologie, gemeinschaftlicher oder privater Nutzung und sozialer Kontrolle von natürlichen Ressourcen, insbesondere von Wäldern. Der Vortrag ist nicht nur für Wald- und Umweltspezialisten interessant. Allerdings ist ein wenig Ausdauer gefragt, da er HistorikerInnen durchaus etwas interdisziplinäre Geduld abfordert – so zumindest mein persönlicher Eindruck.

Zitierte Literatur:

Garrett Hardin, The Tragedy of the Commons, in: Science 162 (1968), 1243-1248.

Elinor Ostrom, Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action, Cambridge 1990 (dt.: Die Verfassung der Allmende: jenseits von Staat und Markt, Tübingen 1999).

Vorsicht! Nachhaltig – oder: Was uns die Umweltgeschichte der Aufklärung über globale Umweltdebatten verraten kann

10. Dezember 2010
Ausschnitt aus dem Titelblatt zu. Georg Grünberger, Lehrbuch für die pfalzbaierischen Förster, Bd. 1, München 1788.

Ein Forstexperte erklärt Waldvermessung: Ausschnitt aus dem Titelblatt zu. Georg Grünberger, Lehrbuch für die pfalzbaierischen Förster, Bd. 1, München 1788.

Der Weltklimagipfel in Cancún geht in die heiße Phase und zum Erstaunen vieler zeichnet sich ein Klimaabkommen ab, dass tatsächlich umfassend und inklusiv wirken könnte. Nicht nur die Europäer und einige andere Industriestaaten verpflichten sich zur CO2 Reduktion – die USA aber auch Schwellenstaaten wie China oder Indien könnten mit an Bord sein. Für die Minimalemittenten im Süden, die einen großen Teil der Zeche zahlen, die durch den Temperaturanstieg fällig wird, können Kompensationen und Technologietransfermaßnahmen vereinbart werden. So weit, so optimistisch. Allerdings haben die Erdreparaturprogramme (M. Hall) der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Win-Win-Situationen höchst selten sind. Selten sitzen alle Akteure und Betroffenen am Tisch, noch seltener werden alle wichtigen Probleme und Folgen diskutiert, häufig entstehen neue Ungleichgewichte. Der Blick auf die Geschichte von Umweltreformen lohnt daher und macht sensibel für die Tücken ökologischer Debatten. Vor allem auf lange Sicht werden die Folgen nicht nur von Umweltzerstörung, sondern auf von Versuchen sie zu beseitigen, sichtbar. Ich will dies am Beispiel der Debatte um Nachhaltigkeit im 18. Jahrhundert demonstrieren. In größeren Abständen sollen in diesem Blog dann weitere Elemente einer Geschichte der Nachhaltigkeit erscheinen.

(more…)

Umkämpfte Wälder

31. August 2010

Richard Hölzls Dissertation ist zwischenzeitlich als Buch bei Campus erschienen. Der Titel: „Umkämpfte Wälder. Die Geschichte einer ökologischen Reform in Deutschland 1760 – 1860“. Wenn man so will, auch eine Art Sozialbewegungsgeschichte auf der Suche nach den Ursprüngen dessen, was man „ökologisches Bewusstsein“ nennen könnte. Wieder einmal eine zweispältige Geschichte ohne historische Helden. Erhard Schütz fasst im Freitag den Inhalt sehr treffend zusammen:

Waldsterben war auch so eine Kata­strophe, nicht erst unlängst. Gegen Mitte des 18. Jahrhundert wurde es zunehmend dramatisch: Holzmangel als Gesellschaftskatastrophe. Das war, zeigt Richard Hölzl akribisch und spannend zugleich, tatsächlich weniger Realität als die dramatische Erzählung interessierter Kameralisten, ­Experten auf dem Weg der Waldverwissenschaftlichung. Diese neue Beamtenschaft rückte mit ihrem modernen Wald der Holzwirtschaft gegen gleich drei ­Gegner vor: die in ihrer vielseitigen Waldnutzung angeblich ignoranten Bauern, die nur am Wildbestand interessierten ­Jagdherren und die unqualifizierten ­Förster. Schachbrett als Idealgestalt, ­Nadelholz als Idealbaum der ökonomischen Nachhaltigkeit. Bald nach 1800 kamen auch noch Schutz und Erholung ins argu­mentative Spiel. Daraus erwuchs dann ­die eigentliche ökologische Wald­bewegung, die die Dörfler als Holzfrevler brand­markte, bis sie nach 1848 volks­kundlich als ­konservatives Element eines spezifisch deutschen Waldbewusstseins entdeckt wurden. Hölzls Buch führt ­geduldig durch die gewundenen Wege des „modernen“ zum „deutschen“ Wald, schlägt erhellende Schneisen und bietet reichhaltige Ent­deckungen – eben wie ein guter Wald, der nicht in Holz und Gemüt ­zerfällt, es ja soll.

Richard Hölzl: Umkämpfte Wälder. Die Geschichte einer ökologischen Reform in Deutschland 1760 – 1860, Campus, Frankfurt a. M. u. New York, 2010.

Wer zahlt die Zeche? Debatten um Umweltgerechtigkeit

19. Januar 2010

Grubenunglück Zeche Minister Stein (Dortmund) 1925, Wikimedia Commons (Deutsches Bundesarchiv)

Gedanken zu einem Artikel von Jonas Ebbesson in der schwedischen Zeitschrift Arena (engl. bei Eurozine). Sein Thema ist Umweltgerechtigkeit.

Lange Zeit schienen die Linien an der Umweltfront klar gezogen. Auf der einen Seite standen Umweltaktivisten, oft dem linken politischen Spektrum zugeordnet, auf der anderen die Wirtschaftslobby und das konservativ-liberale politische Spektrum, das auf die überragende Bedeutung von Wirtschaftswachstum hinwies, das Arbeitsplätze schuf und Wohlstand und durch übertriebene Maßnahmen zum Umweltschutz nicht gefährdet werden durfte. Sozialdemokratie und Gewerkschaften waren hin- und hergerissen zwischen Arbeitsmarktpolitik und Umweltbewegung. Seit einigen Jahren hat sich die Situation verändert. Insbesondere der Klimawandel und die weltweite Debatte darüber haben das Thema Umwelt für alle politischen Akteure attraktiv werden lassen. (more…)