Archive for the ‘Aufhebung’ Category

CfP: Künstlerischer und politischer Aktivismus (Arbeitstitel)

29. Januar 2016

Call for Papers, PERIPHERIE, Ausgabe 144 (erscheint November 2016)

Im Heft 144 möchte sich die PERIPHERIE schwerpunktmäßig mit der Verschränkung von künstlerischem und politischem Aktivismus auseinandersetzen. Die Begegnung, das Zusammenspiel, die Vermischung von künstlerischer Aktion und sozialer Bewegung ist kein neues Phänomen.
Von Künstler_innen bzw. Bild- und Graphikexpert_innen gestaltete Transparente, Flugblätter, Plakate und Wandbilder geben politischen Inhalten eine ästhetische Form. Gleiches gilt auch für engagiertes Liedgut, Prosa, Lyrik, Graffiti, Film und Fotografie. Performative Konzepte wie das Theater der Unterdrückten stellen temporäre Aktionsräume im öffentlichen Raum her, die auf Missstände hinweisen und in denen mit alternativen Handlungsweisen experimentiert wird. Auf ähnliche Weise intervenieren Aktivist_innen der Kommunikationsguerilla, um Zonen zu produzieren, in denen Unsichtbares sichtbar wird. Auch die in den letzten Jahren populär gewordenen Urban-Gardening- oder Guerilla-Gardening-Projekte greifen unmittelbar in die Stadtgestaltung ein, schaffen neue soziale Handlungs- und Kommunikationsräume. Zugleich aber werden sie als Kunstform in das warenförmige Betriebssystem Kunst aufgenommen, beispielsweise auf der letzten documenta in Kassel.

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Peter Weiss über den Umgang mit der Weltkultur

30. Juni 2012

Die angemessen Darstellung komplexer Vorgänge ist immer eine große methodische Herausforderung. Wichtige Lösungsansätze kommen für meine Begriffe aus der dialektisch-kritischen Literatur- und Kunsttheorie. Und zwar von den Autoren, die eine besondere Nähe zu historischen Stoffen und historischer Arbeit haben. Walter Benjamin und Ernst Bloch zum Beispiel, aber auch von Peter Weiss. Dieser sagte beispielsweise 1974 in einem Gespräch über seine Arbeit:

Grundsätzlich könnte man mich als „Traditionalisten“ bezeichnen, indem die gesamte Weltkultur für mich vorhanden ist und in jeder ihrer Perioden ihre bedeutenden Leistungen aufweist. Das Verhältnis zu den Werken aller Zeitalter indessen schließt ein, daß man auch dort die jeweiligen Widersprüche erkennt und die jeweiligen Klassenbedingtheiten. Du erwähntest Hölderlin. Dabei ging es mir ja auch nicht darum, Hölderlin gegen Goethe auszuspielen, sondern nur in einer Konfliktsituation verschiedener Haltungen und Auffassungen einander gegenüberzustellen. Ich finde zum Beispiel Engels‘ Charakterisierung Goethes als äußerst zutreffend, da er beide Seiten Goethes zu treffen vermag. Das ist ja gerade das Wesen der Kunstwerke, daß man sie immer wieder mit neuen Augen betrachten kann und daß man aus Werken, die von den herrschenden Klassen für sich in Anspruch genommen wurden, neue Werte herauszulesen vermag, die – wie ich meine – zu einer klassenlosen Gesellschaft gehören. Der Sturm gegen die Kultur, das Trachten nach dem Sturz von Kulturwerken ist mir immer unverständlich gewesen, wenn auch zum Beispiel der Dadaismus als zeitbedingte Erscheinung interessant und verständlich ist. Natürlich spielen hier herein Erlebnisse aus der Zeit des Aufwachsens, wo ein persönliches Element des Protests und Aufruhrs konfrontiert wurde mit einer Klassikerauffassung, die autoritär und konservativ war.

Quelle: Manfred Haiduk im Gespräch mit Peter Weiss über Die Ästhetik des Widerstands, 30. August 1974, 213f; in: Rainer Gerlach und Matthias Richter (Hg.): Peter Weiss im Gespräch, Frankfurt am Main 1986.

Public Historians: Dahin gehen, wo es brennt…

28. Dezember 2011

Day 9 Occupy Wall Street September 25 2011 Shankbone 27

Source: David Shankbone, Creative Commons Attribution 3.0 Unported, Wikimedia Commons

Dominik Rigoll hat hier vor einem Jahr geschrieben, eine kritische Geschichte müsse sich an die Tabus heranwagen. An die allgemeinen und an die „eigenen“. Sie müsse dahin gehen, wo es wehtut. Ich will diese These aufgreifen und verstärken: Engagierte Historikerinnen und Historiker müssen in Zukunft vor allem wieder dahin gehen, wo es brennt. Sie müssen effektiver in die öffentlichen Debatten eingreifen. (more…)

Harvey Goldberg über Geschichte (1974)

24. August 2009

Der US-amerkianische Historiker und Aktivist Harvey Goldberg hatte vor allem als Hochschullehrer viele Studentinnen und Studenten in den radikalen 1960er Jahren beeinflusst. Das Harvey Goldberg Center archiviert heute zahlreiche Aufnahmen seiner Vorlesungen. Die Vorlesungen von 1974 sind auch im Netz via Filesharing erhältlich (runterladen, anhören!). Zwei gefunde Gedanken möchte ich kurz notieren: Über nützliche Vergangenheit und die Geschichte anderer Völker am Beispiel Vietnam. (more…)