Archive for the ‘Aktion’ Category

DVD zu Audre Lorde erschienen

16. Januar 2013

Gerne weisen wir hier auf die DVD zu Audre Lorde hin, eine wichtige afro-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin, die in ihren Berliner Jahren entscheidend dazu beitrug, dass eine afro-deutsche feministische Bewegung entstand.  Nun ist ein Film zu ihren Berliner Jahren erschienen: Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984-1992
Homepage: http://www.audrelorde-theberlinyears.com/deutsch/index_mehr.html
Erhältlich überall im Handel (Regisseurin: Dagmar Schultz, produziert von: Salzgeber & Co. Medien GmbH).

audrelordeAuch zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist der Einfluss der Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde auf die afrikanisch-amerikanischen, feministischen und queeren Bewegungen außerordentlich lebendig. Ein wenig beachtetes Kapitel sind dabei ihre Berliner Jahre von 1984 bis 1992, in denen Lorde Afro-deutschen zu mehr Selbstbewusstsein verhalf und die sozialen Veränderungen in der Stadt kommentierte, die von Mauerfall und Wiedervereinigung geprägt waren. Weiße Deutsche forderte sie dazu heraus, ihre Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten konstruktiv umzugehen.

Rostock-Lichtenhagen ist noch kein „Erinnerungsort“

27. August 2012

Ein paar Gedanken zum Erinnern. Bundespräsident Gauck hat am Wochenende in Rostock-Lichtenhagen eine Rede gehalten. Er hat an die Taten eines gewalttätigen, mordwilligen Mobs vom 22.-26.8.1992, das Leid der Opfer in einem Asylbewerberheim und einem Wohnheim für Vietnam-Deutsche, das Versagen der staatlichen Sicherheitsorgane und die Pflicht zum Gedenken erinnert. Meiner Ansicht nach besteht eine Gefahr im allzu schnellen Gedenken, Erinnern und Historisieren. In der deutschen Erinnerungskultur gibt es mittlerweile anscheinend eine Erinnerungsroutine, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem Nationalsozialismus speist und nun auf jüngst vergangene Ereignisse übertragen wird. Dass eine bestimmte Form des Erinnerns einer Verschiebung vom „Arbeitsspeicher“ in das „Archiv“ des kollektiven Gedächtnisses gleicht – ja sogar eine natürlich Funktion sei, wurde verschiedentlich angemerkt (siehe z.B. WerkstattGeschichte 52/2009 „archive vergessen“). Lebendige Geschichte droht, wenn man nicht aufpasst, zur vergangenen, abgeschlossenen, erfolgreich überwundenen Geschichte zu werden. Genau die Gefahr sehe ich, wenn nun zum 20. Jahrestag R-Lichtenhagen zum Erinnerungsort gemacht wird. Diese Vergangenheit ist nicht vorbei! Sie ist ummittelbar wirksam, beispielsweise im Asylrecht: Im Anschluss oder in Reaktion auf die Gewalt gegen vermeintlich Fremde in Lichtenhagen, Mölln, Hoyerswerda oder Solingen verschärfte Deutschland seine Asylgesetzgebung (u.a. mit der Drittstaaten-Regelung) – dieses Asylverhinderungsrecht ist immer noch in Kraft. (more…)

Mario Balotelli – Fußballspieler, Performancekünstler und Medienkritiker

3. Juli 2012

Respekt vor der Medienkompetenz dieses 21-jährigen Fußballspielers! Mit einer wütenden, enorm ausdrucksstarken und ikonenhaften Geste hat Mario Balotelli ein Kunstwerk des digitalen Medienzeitalters geschaffen. Nach seinem zweiten Tor, das die hochgejubelte deutsche Fußballnationalmannschaft aus der EM 2012 katapultiert, zog er sich das Trikot aus. Er blieb stehen und formte seinen Oberkörper zu einem Trapez aus angespannter Muskulatur. Seine künstlerische Performance im Anschluss an seinen spektakulären Siegtreffer nutzte die denkbar größte Bühne, die der Globus zur Zeit zur Verfügung stellt, mit mehreren 100 Millionen Zuschauern. Im Netz wurde sein Werk in Videoclips, Fotos, Karikaturen, Blogs, Kommentaren exponentiell vervielfacht. Das Rohmaterial für die künstlerische Kritik an den kolonialen und rassistischen Tiefenstrukturen der modernen Gesellschaft bildeten die latent wuchernden Stereotype, die in den massenmedialen Reaktionen auf seine Performance offengelegt wurden. (more…)

Bloggen übers Bloggen: CfP zum Thema Geschichtsblogs

21. Mai 2012

Hist.Net, die Uni Innsbruck und der Oldenbourg Verlag haben einen Call for Papers (blogs) veröffentlicht, der einlädt, Beiträge über das Bloggen in der Geschichtswissenschaft zu verfassen. Die Texte sollen sowohl online als auch als Buch veröffentlicht werden.

Gespannt sein darf man, wie sich die BetreiberInnen des Blogs historyblogosphere.org und der Verlag das „Open Peer Review Verfahren“, das auf der Homepage angekündigt ist, im einzelnen vorstellen. So etwas kann ja höchst unterschiedlich gestaltet sein: werden z.B. die als Buch zu veröffentlichen Beiträge in einem offenen ranking der NutzerInnen ausgewählt – eine interessante Frage, wenn old and new media zusammenkommen sollen. Und: Wie wird das Review als prozessuale Form in ein Buch „umgesetzt“, denn im Blog ist es ja Teil der Wissens- und Textproduktion?

Vielleicht wird einer der BeiträgerInnen auch anmerken, dass das Medium Blog nicht unbedingt schon „in der Geschichtswissenschaft angekommen“ ist, wie der CfP formuliert. Und die Frage stellen, ob Geschichtsblogs nicht vielmehr die Grenze zwischen Wissenschaft und anderen Geschichtspraxen verwischen und ob nicht genau das eine große Chance sein kann, eine Lücke zwischen institutionalisierter Produktion von Geschichtswissen und vielfältigen sonstigen Interessen an und Gebrauchsweisen von Geschichte zu verkleinern.

Ich bin auf das Ergebnis gespannt.

Public Historians: Dahin gehen, wo es brennt…

28. Dezember 2011

Day 9 Occupy Wall Street September 25 2011 Shankbone 27

Source: David Shankbone, Creative Commons Attribution 3.0 Unported, Wikimedia Commons

Dominik Rigoll hat hier vor einem Jahr geschrieben, eine kritische Geschichte müsse sich an die Tabus heranwagen. An die allgemeinen und an die „eigenen“. Sie müsse dahin gehen, wo es wehtut. Ich will diese These aufgreifen und verstärken: Engagierte Historikerinnen und Historiker müssen in Zukunft vor allem wieder dahin gehen, wo es brennt. Sie müssen effektiver in die öffentlichen Debatten eingreifen. (more…)

Bedenken gegen Gedenktag

28. Februar 2011

Volksdeutsche Jugend in Halbstadt/Ukraine marschiert 1942 vor Himmler; Quelle: Wikimedia Commons/ Dt. Bundesarchiv

Am 10. Februar 2011 nahm der Deutsche Bundestag den Antrag der CDU/CSU und FDP „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen – Aussöhnung vollenden“ an. Der Antrag fordert einen bundesweiten „Gedenktag für die Opfer von Vertreibung“ auf der Grundlage der „Charta der Heimatvertriebenen“ vom 5. August 1950. Historiker haben eine Erklärung formuliert, die sich gegen die falsche Signalwirkung eines derartigen Gedenktags ausspricht. Mit Bezug auf einen Artikel von Jörg Hackmann zur Charta der Heimatvertriebenen verwert sich die Erklärung gegen die Verkehrung von Ursachen und Wirkungen, die in diesem Dokument stattfindet, und mit einer Anerkennung als bundesweitem Gedenktagsgrund offiziell bestätigt würde:

Denn in der Charta findet sich kein Wort zu den Ursachen des Krieges, zu den nationalsozialistischen Massenverbrechen, zum Mord an Juden, Polen, Roma und Sinti, sowjetischen Kriegsgefangenen und anderen verfolgten Gruppen, kein Wort zum Generalplan Ost, der die Vertreibung und Vernichtung von Millionen „slawischer Untermenschen“ nach dem „Endsieg“ vorsah.

Stattdessen erklärten sich die deutschen Vertriebenen selbst zu den „vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“, was angesichts des nationalsozialistischen Massenmords eine groteske Verzerrung der historischen Wirklichkeit darstellt.

Das Wort „Versöhnung“ taucht in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ nicht auf. Vielmehr wird darin gänzlich deplaziert auf „Rache und Vergeltung“ verzichtet, als gäbe es einen solchen Anspruch. Und hinter dem proklamierten „Recht auf Heimat“ stand 1950 weiterhin die Forderung nach territorialer Revision der Nachkriegsgrenzen.

Die Erklärung, der sich auch Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der vielfach zu Recht ob ihrer einseitigen Ausrichtung auf die Opferrolle deutscher Vertriebener kritisierten „Stiftung Flucht,Vertreibung, Versöhnung“, angeschlossen haben, kann auf der Plattform Hsozkult unterzeichnet werden.

 

Götz Aly geht am Gröbenufer baden

6. Februar 2010

In Berlin wird das Gröbenufer nahe der Oberbaumbrücke offiziell in May-Ayim-Ufer umbenannt. Eigentlich keine große Sache. Straßen-Umbenennungen sind in einer Stadt wie Berlin ein Dauerthema. Und es gab wohl kaum eine Umbenennung, die ohne Widerspruch vollzogen wurde. Mit einer Umbenennung kommen immer auch veränderte gesellschaftliche Machtverhältnisse zum Ausdruck. So hatten etwa die Umbenennungen unter dem Regierenden Bürgermeister Diepgen 1995 ein klaren antiemanzipatorische Charakter.

Nun soll der Kolonialist Otto Friedrich van der Gröben (1657-1728) der antirassistischen Historikerin May Ayim (1960-1996) weichen. Dazu meldete sich der Historiker Götz Aly in der Berliner Zeitung („Straßenschänder in Kreuzberg“) zu Wort. Der Beitrag ist ein in jeder Hinsicht undiskutabler Angriff auf die Träger dieser Umbenennung. Interessanter finde ich da die Antwort von Susan Arndt, die den Hintergrund der Umbenennung sachlich aber entschieden offenlegt.

Kalender für 2010: Frauenrechtlerinnen

10. Oktober 2009

Ab sofort kann der Kalender „Wegbereiterinnen“ 2010 bestellt werden. Es wird wohl wieder diverse Büros, Werkstätten, Küchen, Wohnzimmer und Gemeinschaftsräume zieren. Er enthält interessante Portraits von 12 widerständigen Frauen aus Politik, Gewerkschaften, Kunst, Literatur und Tanz. Hier wäre der Info-Flyer.

NS-Gebirgsjäger-Verbrechen: Brief an Gemeinde Mittenwald

19. Juli 2009

Der AK Angreifbare Traditionspflege protestiert in einem offenen Brief gegen die Entfernung eines Denkmals, das an Opfer der Wehrmacht in Mittenwald erinnert. Die Aktivisten bitten, den Offenen Brief mit einer Unterschrift an den Bürgermeister der Marktgemeinde Mittenwald zu senden. (more…)

Aktion: Petition zum Erhalt der KZ-Gedenkstätte Kochendorf

27. Juni 2009

Appell KZ Kochendorf

Die Miklos-Klein-Stiftung macht sich zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten (LAGG) für den Erhalt der Gedenkstätte KZ Kochendorf stark. Sie bittet die Unterstützer, sich mit einer Unterschrift an einer entsprechenden Petition zu beteiligen. Unterschreiben kann man auf der auch ansonsten lesenswerten Homepage.