CFP: Jugend und Jugendbewegung im Kalten Krieg –

by

Archiv der deutschen Jugendbewegung; Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Hildesheim; Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Leipzig
Archiv der deutschen Jugendbewegung, Jugendburg Ludwigstein, 37214 Witzenhausen
Deadline: 15.03.2019

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand die Zwangsgemeinschaft der Hitlergegner ihr schnelles Ende. Die folgende Konfrontation der politischen Blöcke hatte für Dekaden bis zur Perestroika Ende der
1980er-Jahre erhebliche Auswirkungen auf die Jugendpolitiken, die Jugend, ihre Gesellungs-, Organisations- sowie Protestformen.

Im zunächst ungewohnten demokratischen Rahmen mussten sich Jugendliche neu aufstellen – dabei gingen traditionelle Erfahrungsmuster und demokratische Impulse neue Verbindungen ein. Auf der anderen Seite verloren die Offerten der Jugendbewegung als auch der politischen Jugendorganisationen an Anziehungskraft. Auch gründeten sich neue Jugendverbände aufgrund von Flucht und Vertreibung in den neuen Heimaten der Bundesrepublik. Unter dem zunehmenden Einfluss der westlichen Massenkultur veränderte sich zudem das Freizeitleben der Jugendlichen.
Gleichzeitig mobilisierte die Ostermarsch- und Friedensbewegung Jugendliche mit klassischen Formen der Ansprache. Der Umgang von staatlicher Seite mit diesen Protesten und Demonstranten verlief unter
dem Obdach des kommunistischen Feindbildes und hatte mitunter nachhaltige Folgen für die engagierten Jugendlichen. Von diesem klassischen Blockdenken versuchten sich manche Jugendliche zu lösen: Sie dachten über die Mauer hinweg, versuchten unter schwierigen Bedingungen den Kontakt zu Jugendorganisationen in den osteuropäischen Staaten aufzubauen. Die Jugend jenseits der Mauer, dort wo die jugendkulturellen Offerten staatlicherseits – sprunghaft und schablonenmäßig zugleich – keinen Anklang fanden, imaginierte sich wiederum jugendkulturell über die Grenze.
Die jugendhistorische Tagung möchte über unterschiedliche Zugriffe die Perspektiven der Cold War Studies aufgreifen. Sie ist offen für Zugänge aus politik-, sozial-, gender- und alltagsgeschichtlicher Perspektive. Sie kann biografische als auch generationenspezifische Ansätze berücksichtigen.
Mögliche Themen wären z. B.
– Neuorientierung von Jugendverbänden in der Besatzungszeit;
– Skeptische Jugend;
– Jugend im Fokus von Vertriebenenorganisationen;
– Der Einfluss der westlichen Massenkultur;
– Jugend und Europa;
– Jugend und Kirche;
– Ostermarsch-/ Friedensbewegung und Jugend;
– Protest gegen Berufsverbote;
– Pfarrjugend und Rätegedanke;
– Über den Tellerrand: Kommunikationsversuche zu Jugendorganisationen in Osteuropa;
– Kontaktzonen: Jugendaustauschprogramme;
– Subkulturelle Praktiken;
– Protestformen und Krawalle;
– Einsatz gegen Umweltverschmutzung in der DDR;
– Solidaritätsbewegungen zur „Dritten Welt“;
– Internationaler Gewerkschaftsjugendaustausch;
– Ansprache der Jugend in den Ausstellungen der Amerika-Häuser;
– Blockdenken in der politischen Bildung;
– Kalter Krieg im Unterrichtsfilm;
– Jugendstudien und Jugendforschung im Vergleich;
– Sexualaufklärung in BRD und DDR;
– Kinder- und Jugendliteratur der DDR im Kalten Krieg.

Leitung und Wissenschaftlicher Beirat des Archivs der deutschen Jugendbewegung freuen sich über Interesse an diesem Forschungsfeld und erbitten Vortragsvorschläge (ca. 2.500 Zeichen mit kurzen Angaben zur Person) bis zum 15.03.2019 an:
Dr. Susanne Rappe-Weber
Archiv der deutschen Jugendbewegung
Burg Ludwigstein
37214 Witzenhausen
E-Mail: susanne.rappe-weber@burgludwigstein.de

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