Blackadderisierung des Ersten Weltkriegs – Scharfe Debatten in Großbritannien

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Während der Erste Weltkrieg in Deutschland auch zum 100sten seines Beginns kaum die Gemüter erregt, ist in Großbritannien ein heftiger Streit um die Deutung dieses Ereignisses entbrannt. Protagonisten sind derzeit Michael Gove, Tory Education Secretary, und Richard J. Evans, Regius Professor for History in Cambridge. Gove und Evans sowie eine Reihe anderer Historiker streiten sich schon seit dem letzten Frühjahr über die Vorstellungen des Schulministers über die Art und Weise, wie Geschichtsunterrricht betrieben werden soll, nämlich: patriotisch, frontal, einheitlich. Was er nicht will, ist auch klar: Diskussion, Komplexitäten, Kritik und Analyse. Gove wirft „linken Historikern“ eine Banalisierung des Heldentums britischer Soldaten vor, im Stil der BBC-Serie „Blackadder“.

Hier zwei Artikel von Evans im New Statesman im März und Mai 2013 und einer im Guardian letzter Woche; außerdem Michael Gove in der Daily Mail im Januar 2014.

Northern Black Racer, Coluber constrictor constrictor, detail of head as snake was „periscoping“ near a sidewalk. Location: Durham County, North Carolina, United States. Quelle: Wikimedia Commons; Foto: Patrick Coin. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Wenn in Deutschland ein solcher Schulminister auch nicht Not tut, eine Debatte über die Darstellung der Ersten Weltkriegs wäre sehr wohl hilfreich – bevor sich alle wieder auf die Geschichte der Kriegpolitik und der Diplomatie konzentrieren und die soziale Tiefenschärfe, auch in ihrer globalen Dimension (Spanische Grippe, Hungerkrisen in den afrikanischen Kriegsgebieten usw.), verloren geht.

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Eine Antwort to “Blackadderisierung des Ersten Weltkriegs – Scharfe Debatten in Großbritannien”

  1. susanne willers Says:

    Mit „social bias“ wird in der modernen Anthropologie die „ultrasoziale“ (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

    Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

    Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie „unser Volk“, „wir Juden“, „die Deutschen wollen…“, „Rothemden vs. Gelbhemden“, „FC-Bayern Fans“, etc. etc.

    Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

    Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden „deutschen“ bzw. „gesamteuropäischen“ social bias sein.

    Literatur

    HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

    RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

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