E. P. Thompson zur Analyse gesellschaftlicher Veränderung (1977)

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Wie wäre es mit einem kleinen Seminar mit dem britischen Historiker E.P.Thompson? Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1977 über Wege gesellschaftlicher Veränderungen.

Thompson setzt sich im ersten Teil kurz mit den Erklärungsmodellen des Positivismus und des Strukturalismus auseinander. Und kommt zum Schluss, dass letztlich die anspruchsvollste analytische Darstellung eines Änderungsprozesses in seinem ganzen Ausmaß nur in erzählender Geschichte umgesetzt werden könne.

Im zweiten Teil, geht es unter anderem um die spezifische Tradition der britischen marxistischen Historiker (Christopher Hill, Rodney Hilton, Maurice Dobb). Und vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen bezeichnet Thompson die Metapher von „Überbau und Basis“ generell – aber auch als Erklärungsmodell für Veränderung – als unreformierbar und unrettbar. Er bevorzugt für seine Analysen die Metapher der Produktionsweise, weil sie die Darstellung unterschiedlicher Verhältnisse, die Darstellung verschiedener Orte von Widersprüchen und die Darstellung der Entwicklung einer Kultur von unten ermöglicht. „Basis und Überbau“ förderten zudem ein statisches Verständnis für Kategorien, die spezifisch historisch seien (z.B. Bewusstsein oder Klassen).

Im dritten Teil ist der interessanteste. Hier fragt Thompson nach einer Soziologie des Wissens: Wie werden bestimmte Ideen ausgewählt, von Institutionen befördert, Teil des Bildungssystems und zu einer legitimierenden Ideologie? Weiter betont er die Bedeutung von „Erfahrungen“ für das Problem gesellschaftlicher Veränderungen. Ideologien entstünden nicht nur aus Interessenswidersprüchen, sondern verarbeiten auch Widersprüche unterschiedlicher Erfahrungen.
Wenn man mit gesellschaftlicher Veränderung beschäftigt, benötigt man laut Thompson einen Begriff von Widersprüchen, eine Vorstellung von den logischen Prozessen einer spezifischen Produktionsweise und ihren Beschränkungen, die nicht überschritten werden können. Eine vergessene Frage sei die der „agency“.

Soweit ich sehe, entstand die Aufnahme im Kontext dieser Veranstaltung: SSRC Seminar on Models of Social Change 1977

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3 Antworten to “E. P. Thompson zur Analyse gesellschaftlicher Veränderung (1977)”

  1. Entretien avec Edward P. Thompson « Espace contre ciment Says:

    […] of Seminar via Kritische Geschichte) […]

  2. Im Handgemenge der Vergangenheit: Ellen Meiksins Wood « kritische geschichte Says:

    […] manchmal schwer, ihr zu folgen. Thompson selbst ging da weit weniger theoretisch heran. Er sagte, die Basis- und Überbau-Theorie ist nicht zu retten und zeigte mit The Making of the English Working Class (1963) konkret […]

  3. E. P. Thompson über historische Logik « kritische geschichte Says:

    […] E. P. Thompson zur Analyse gesellschaftlicher Veränderung (1977) Bewerten: Teilen Sie dies mit:FacebookTwitterStumbleUponE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

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