Bedenken gegen Gedenktag

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Volksdeutsche Jugend in Halbstadt/Ukraine marschiert 1942 vor Himmler; Quelle: Wikimedia Commons/ Dt. Bundesarchiv

Am 10. Februar 2011 nahm der Deutsche Bundestag den Antrag der CDU/CSU und FDP „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen – Aussöhnung vollenden“ an. Der Antrag fordert einen bundesweiten „Gedenktag für die Opfer von Vertreibung“ auf der Grundlage der „Charta der Heimatvertriebenen“ vom 5. August 1950. Historiker haben eine Erklärung formuliert, die sich gegen die falsche Signalwirkung eines derartigen Gedenktags ausspricht. Mit Bezug auf einen Artikel von Jörg Hackmann zur Charta der Heimatvertriebenen verwert sich die Erklärung gegen die Verkehrung von Ursachen und Wirkungen, die in diesem Dokument stattfindet, und mit einer Anerkennung als bundesweitem Gedenktagsgrund offiziell bestätigt würde:

Denn in der Charta findet sich kein Wort zu den Ursachen des Krieges, zu den nationalsozialistischen Massenverbrechen, zum Mord an Juden, Polen, Roma und Sinti, sowjetischen Kriegsgefangenen und anderen verfolgten Gruppen, kein Wort zum Generalplan Ost, der die Vertreibung und Vernichtung von Millionen „slawischer Untermenschen“ nach dem „Endsieg“ vorsah.

Stattdessen erklärten sich die deutschen Vertriebenen selbst zu den „vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“, was angesichts des nationalsozialistischen Massenmords eine groteske Verzerrung der historischen Wirklichkeit darstellt.

Das Wort „Versöhnung“ taucht in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ nicht auf. Vielmehr wird darin gänzlich deplaziert auf „Rache und Vergeltung“ verzichtet, als gäbe es einen solchen Anspruch. Und hinter dem proklamierten „Recht auf Heimat“ stand 1950 weiterhin die Forderung nach territorialer Revision der Nachkriegsgrenzen.

Die Erklärung, der sich auch Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der vielfach zu Recht ob ihrer einseitigen Ausrichtung auf die Opferrolle deutscher Vertriebener kritisierten „Stiftung Flucht,Vertreibung, Versöhnung“, angeschlossen haben, kann auf der Plattform Hsozkult unterzeichnet werden.

 

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Eine Antwort to “Bedenken gegen Gedenktag”

  1. Andreas Moser Says:

    Was wollen die Vertriebenen(verbände) denn eigentlich: http://andreasmoser.wordpress.com/2010/09/10/was-wollen-die-vertriebenenverbande-eigentlich/ – Hätten sie wirklich lieber 50 Jahre in sozialistischen Staaten in Osteuropa als in Westdeutschland gelebt?

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