Umkämpfte Wälder

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Richard Hölzls Dissertation ist zwischenzeitlich als Buch bei Campus erschienen. Der Titel: „Umkämpfte Wälder. Die Geschichte einer ökologischen Reform in Deutschland 1760 – 1860“. Wenn man so will, auch eine Art Sozialbewegungsgeschichte auf der Suche nach den Ursprüngen dessen, was man „ökologisches Bewusstsein“ nennen könnte. Wieder einmal eine zweispältige Geschichte ohne historische Helden. Erhard Schütz fasst im Freitag den Inhalt sehr treffend zusammen:

Waldsterben war auch so eine Kata­strophe, nicht erst unlängst. Gegen Mitte des 18. Jahrhundert wurde es zunehmend dramatisch: Holzmangel als Gesellschaftskatastrophe. Das war, zeigt Richard Hölzl akribisch und spannend zugleich, tatsächlich weniger Realität als die dramatische Erzählung interessierter Kameralisten, ­Experten auf dem Weg der Waldverwissenschaftlichung. Diese neue Beamtenschaft rückte mit ihrem modernen Wald der Holzwirtschaft gegen gleich drei ­Gegner vor: die in ihrer vielseitigen Waldnutzung angeblich ignoranten Bauern, die nur am Wildbestand interessierten ­Jagdherren und die unqualifizierten ­Förster. Schachbrett als Idealgestalt, ­Nadelholz als Idealbaum der ökonomischen Nachhaltigkeit. Bald nach 1800 kamen auch noch Schutz und Erholung ins argu­mentative Spiel. Daraus erwuchs dann ­die eigentliche ökologische Wald­bewegung, die die Dörfler als Holzfrevler brand­markte, bis sie nach 1848 volks­kundlich als ­konservatives Element eines spezifisch deutschen Waldbewusstseins entdeckt wurden. Hölzls Buch führt ­geduldig durch die gewundenen Wege des „modernen“ zum „deutschen“ Wald, schlägt erhellende Schneisen und bietet reichhaltige Ent­deckungen – eben wie ein guter Wald, der nicht in Holz und Gemüt ­zerfällt, es ja soll.

Richard Hölzl: Umkämpfte Wälder. Die Geschichte einer ökologischen Reform in Deutschland 1760 – 1860, Campus, Frankfurt a. M. u. New York, 2010.

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