Ärger um Olympia

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Indianische Steinskulptur (Ilanaaq the Inunnguaq) auf Wistler Mountain als Olympia-Mastkottchen (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Bilder von den olympischen Winterspielen in Vancouver werden uns die nächsten Wochen begleiten, ob wir wollen oder nicht, auch diejenigen, die sich nicht für Wintersport interessieren. Heute haben die Spiele begonnen. Das kanadische olympische Kommitee hat versucht integrative Spiele auf die Beine zu stellen. Zu groß ist die Gefahr, dass Umweltgruppen, Wohlfahrtsverbände und die Aktivisten unter den First Nations, den ersten Bewohnern des Nordamerikas, das Image der Spiele beschädigen, indem soziale Ungleichheiten und Umweltzerstörungen auf’s Tableau gebracht werden. Dennoch rücken die Spiele Kanadas geschichtspolitischen Zickzackkurs gegenüber den First Nations in den Blick.

Immerhin vier von Kanadas First Nations wurden in die Organisation eingebunden, Souvenirs von indigenen Künstlern designt. Als die lukrativen Produktionsaufträge dann nach China vergeben wurden, verstärkten sich die Protesten gegen das Sportevent (siehe dazu die TAZ vom 10.2.2010). Die First Nations Kanadas machen schon länger ambivalente Erfahrungen mit dem Zickzackkurs der kanadischen Regierung in Sachen Umgang mit der eigenen Kolonialgeschichte. Beim letzten G20 Gipfel in Pittsburgh im September 2009 verkündete Kanadas Premier Stephen Harper: „We also have no history of colonialism. So we have all of the things that many people admire about the great powers but none of the things that threaten or bother them“ (Reuters, 25.9.2009). Damit hat er in Kanada für reichlich Protest gesorgt. In einem kurzen, analytisch scharfen Artikel füllt die in Vancouver lebende Publizistin Harsha Walia die Gedächtnislücken des Premiers auf (The Dominion, 28.9.2009). Seine eigene Regierung musste sich unter öffentlichen Druck z. B. für die historische Zwangsverschickung indianischer Kinder in Internate, wo ihnen der „innere Indianer ausgetrieben“ werden sollte, entschuldigen. Olympia kann, entgegen der Politik der olympischen Kommitees, eine Gelegenheit sein, nationale Geschichtspolitiken ins Zentrum der öffentlichen Debatte zu rücken.

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2 Antworten to “Ärger um Olympia”

  1. entdinglichung Says:

    mehr Infos zum aktuellen Anti-Olympia-Widerstand in Vancouver hier: http://no2010.com/

  2. Richard Heigl Says:

    Danke für den ergänzenden Link!
    Richard

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