Ausstellung: Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

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Dritte Welt im 2. Weltkrieg

Heute, passend zum 1. September, eröffnet in Berlin die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ (mehr zum Projekt siehe auch hier). Die Ausstellung hatte im Vorfeld für ein kleine Kontroverse gesorgt, die auch in klassischen Medien  (z. B. tazTagesspiegel) debattiert wurden. Über die kurzfristige Weigerung der „Werkstatt der Kulturen“, die Ausstellung aufzunehmen, kann ich übrigens auch nur den Kopf schütteln. Es wäre ein Leichtes gewesen, durch eine zusätzliche Tafel oder durch eine offizielle Erklärung die eigenen Einwände klarzulegen und die Debatte weiterzuführen. Und: Es ist geradezu ein Witz, wenn der Werkstatt oder den Initiatoren der Ausstellung wechselweise Rassismus oder Antisemitismus vorgeworfen wird.

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13 Antworten to “Ausstellung: Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg”

  1. Loewe Says:

    70 Migrationsgruppen unterstützen die Entscheidung der Leiterin der Werkstatt der Kulturen und auch etliche schwarze Organisationen. Selbst wenn du nur den Kopf schütteln kannst und denkst dass man es nicht so ernst nehmen sollte dass der Beitrag von 450,000 Afrikanischen Soldaten relativiert wird indem ein Palästinensischer Kollaborateru erwähnt wird, sehen es offensichtlich viele Migranten nicht so.

    AfricAvenir, den Kurator unterstützt, ist eine weisse Organisation die vorab der Leiterin der Werkstatt der Kulturen die eigentliche Agenda und selbst den Namen der Ausstellung vorenthielt.

    • matthias Says:

      ich frage mich, wie viele aus diesen 70 migrationsgruppen die ausstellung kennen, die sie – allen ernstes! – „kolonialrassistsch“ nennen

      • Kerstin Says:

        Das würde ich mal unter „solidarischen Reflex“ verbuchen. Wenn ein Familienmitglied angegriffen wird, dann steht man ihm bei.

    • butterfly Says:

      „AfricAvenir, den Kurator unterstützt, ist eine weisse Organisation die vorab der Leiterin der Werkstatt der Kulturen die eigentliche Agenda und selbst den Namen der Ausstellung vorenthielt.“

      Dass AfricAvenir eine weisse Organisation ist, darfst du gerne mal mit dem Gründer Prof. Kum’a Ndbume III. diskutieren. Ich denke, der ist da anderer Meinung. Und was die Organisation der Ausstellung betrifft – woher beziehst du denn diese Information?

  2. Ulrike Says:

    In der aktuellen Ausgabe der „Jungle World“ gibt es einen ganz guten Artikel dazu, der mir – im Gegensatz zur vorherigen Presseberichterstattung – die Position der Leiterin der Werkstatt der Kulturen verständlich machte. Sie begründete ihre Ablehnung u.a. damit, dass man beim Gedenken an andere Widerstandskämpfer auch nicht auf die Kollaborateure verweise und sie ihren verstorbenen Vater, der auf der Seite Frankreichs kämpfte, nicht neben Nazi-Verbrechern sehen will. Diese Position ist nachvollziehbar. Dennoch glaube ich nicht, dass ein würdiges Gedenken an die Opfer und die Widerstandskämpfer nur ohne Benennung der Kollaborateure möglich ist.
    Den obigen Kommentar, die Leiterin habe die Ausstellung vorher nicht gekannt, kann ich kaum glauben, denn das Buch und die anderen Materialen zu dem Thema sind ja schon lange veröffentlicht.
    Link zum Jungle-World-Artikel: http://jungle-world.com/artikel/2009/37/39375.html

    • Ulrike Says:

      PS: Im übrigen ist es ja nicht Intention der Ausstellung, in erster Linie eine Gedenkveranstaltung zu sein, sondern sie will informieren. In sofern einfach bedauerlich, dass sich beide Seiten nicht vorab besser miteinander auseinandergesetzt haben.

  3. Richard Heigl Says:

    Danke für den Hinweis in der Jungle World. Scheinbar geht man endlich aufeinander zu.

    Mein Standpunkt bleibt übrigens, dass eine historische Aufarbeitung von Widerstand seine problematischen Seiten natürlich nicht ausblenden darf.

    Es ist für mich sehr verwunderlich, dass man etwa nach den Erfahrungen mit der Geschichtspolitik der Staatssozialismen, ihrer unkritischen Verherrlichung der Arbeiterbewegung, noch einen solchen Ansatz vertreten will. Das Herausarbeiten vergessener, progressiver Bewegungen und Ansätze ist unbestritten notwendig. Aber eine Hommage? Wem soll denn das nützen? Man erweist sich und den „People of Color“ langfristig einen Bärendienst, denn das fällt einem über kurz oder lang auf die Füße. Die Überblendung problematischer Themen durch die parteioffizielle Geschichtsschreibung lieferte konservativer eingestellten Leuten jede Menge Ansatzpunkte, den für die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik so wichtigen sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstand im Nachhinein kleinzureden („nicht alle Arbeiter waren gegen die Nazis“ etc.) und blockierte lange Zeit eine kritische Bestandsaufnahme im linkspolitischen Spektrum.

    Und der Hinweis auf Kollaboration kann doch generell kein Grund für die Verweigerung einer Ausstellungsfläche sein. Richtig, man kann und muss eine solche Haltung mit den biographischen Hintergründen der Geschäftsführerin und anderen Beteiligten erklären. Andererseits geht nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um einen öffentlichen geschichtpolitischen Diskurs. Hier gab es im Vorfeld nicht nur erhebliche Kommunikationsdefizite, zum Ausdruck kam auch ein nicht akzeptables Apparatedenken: Aus einer Establishmentposition heraus wurde bewusst und öffentlich eine wichtige Ausstellung diskreditiert. Welche Schulleitung bewilligt mir nichts dir nichts Mittel für den Besuch einer Ausstellung, die umstritten und möglicherweise „rassistisch“ ist?

  4. Lou Says:

    Gut zusammengefasst von Franziska Ehricht

    http://www.holocaust-education.de/index.php?site=ne20080728184136

  5. kritischegeschichte Says:

    Coole Sache🙂

  6. Jungle World: Geschichte ist nicht schwarz-weiß « kritische geschichte Says:

    […] dem Streit um die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ (siehe älteren Blogeintrag). Die Autoren beziehen dabei weitgehend Position für den Ansatz der Ausstellungsmacher, […]

  7. Louise Says:

    Bitte scahut euch den Blog
    http://die-dritte-welt-im-zweiten-weltkrieg.blogspot.com/ an zum Thema gutgemeinte koloniale Inszenierung

  8. Rachid Bouchareb « aufsmaulsuppe Says:

    […] Weltkrieg” zu sehen war. Zur Diskussion um die Ausstellung siehe unter anderem die Kommentare hier, zum Film selbst mehr hier. Das Massaker von Thiaroye war bereits 1988 Gegenstand eines Spielfilms […]

  9. Wataraprincess Says:

    3. Welt im 2. Weltkrieg ist ein Teil der Realität. Auch unsere Auseinandersetzungen untereinander ist ein Stück unserer aller Wahrheit. Wir sind Alle Menschen.Auch Welche meinen gegen Rasissmus zu sein verwenden den Begriff 3. Welt. Warum 3. Wer hat das Recht….. Unsere Resourcen sollten wir postiv und Zukunftsorintiert miteinander für einander entfallten.
    Leider ist es Uns Allen ein Leichteres Geschichte zu wiederholen und uns Einander gering zu schätzen.

    What have we done to the world, look what we’ve done.

    Es ist Zeit UNS einzugestehen. Rassen haben wir benannt.
    Rassen ist kein natürlicher Begriff.

    WIR SIND ALLE MENSCHEN

    OB JUDE OB AFRIKANER OB DEUTSCHER
    Traumatisiert sind wir Alle. VON EINANDER

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