Literatur zur Geschichte der deutschen Außenpolitik

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Es gibt die Seite schon lange, aber wir haben Sie hier noch nie erwähnt. Ein Defizit, das dringend behoben werden muss: Die Webseite German Foreign Policy widmet sich den hegemonialen Taktiken und Strategien des vereinigten Deutschland und beobachtet dessen Großmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet. Geschichte spielt dabei eine wichtige Rolle, denn die

täglichen Nachrichten, die Interviews und Hintergrundinformationen, die Dokumente und aktuellen Rezensionen sollten im Lichte prägender Tendenzen der deutschen Vergangenheit gelesen werden. Dazu stellt die Rubrik “Geschichte” (ab 1871) umfangreiche Analysen sowie bibliographische Materialien bereit. (aus dem Impressum)

Auf vier Seiten findet man Literatur zur Deutschen Neuordnung Europas, zur Deutschen Großraumwirtschaft, zur Deutschen Militärpolitik und zur Deutschen Volkstumspolitik. Die Seite hat es auch schon zum Wikipedia-Eintrag geschafft. Eine ideele oder finanzielle Unterstützung ist aus meinen Augen sinnvoll.

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Eine Antwort to “Literatur zur Geschichte der deutschen Außenpolitik”

  1. Jürgen Bellers Says:

    Das private Tagebuch des Außenministers
    Ausgewählt von Jürgen Bellers

    Januar, Paris
    Oft sitze ich auf Außenministerkonferenzen, wo mir nur interessiert zugehört wird, wenn es ums Zahlen geht. Ansonsten wird man hinter der Hand belächelt, als Vertreter eines Volkes, das in dekadentem Pazifismus versinkt und das meint, mitten in Europa von den EU-Nachbar-Staaten schon geschützt zu werden. Jetzt sind wir wieder beim Truppenaufmarsch im Mittelmeer gegen diesen verrückten Diktator nicht dabei. Die europäische Einigung ist ok, aber sie darf die nationale Wehrbereitschaft nicht schwächen und die Menschen in Illusionen zu wiegen. Aber wie beides verbinden? Wahrscheinlich klappt das erst, wenn die „Mongolen“ wieder an der Oder stehen.

    Ostern, Venedig
    Die Westeuropäer scheinen aus der Natur aussteigen zu wollen. Jedes Mal dies Geschrei, wenn zu kalter Winter oder irgendwo ein Erdbeben, als gehöre das nicht zum Menschsein. Aber wir sind verweichlicht. Die Natur kann man nicht ignorieren, selbst die eigene kann man ja nur begrenzt ändern. Ich bin ein wenig eitel, und kriege das nicht weg. Warum auch, wenn´ s nicht gemeinschädlich ist. Mein Doktorvater war derart freundlich, dass er keiner Fliege, selbst keinem Studenten, was zu Leide tun konnte. Nett durchweg (wahrscheinlich, weil er depressiv-ängstlich war.) Er war natürlich deshalb andererseits ein zu toleranter Lehrer, der die Faulen nicht an die Kandare brachte. Was da Freiheit bedeutet, was ich letztlich nicht. Aber man ist auch verantwortlich für die Entwicklung seiner Persönlichkeit, die durch viele einzelne, kleine, aber freie Entscheidungen über einen langen Zeitraum entsteht, die allerdings durch stabile und gute, nicht unbedingt wohlhabende, soziale Umfelder erleichtert wird. (Armut fördert vielmehr die Moral.) Und dass es freie Entscheidungen gibt, sieht man schon daran, dass ich jetzt für heute zu schreiben aufhöre, auch wenn es noch etwas zu schreiben habe. Ich höre auf, um zu zeigen, dass ich frei bin.

    Oktober, Paris
    Mir schrieb mein Vorvorgänger: Riet mir zum Sowohl-als-Auch, nie offen Nein sagen. Na ja! Diplomatie kann auch zum Opportunismus werden. Mit Gadaffi möchte ich nicht reden, obwohl er uns bei der Befreiung der Familie Wallat seinerzeit geholfen. Mein Vorgänger wies aber zurecht darauf hin, dass wir im Westen wurzeln, aber stets die Balance zwischen den großen Geo-Blöcken im Westen und im Osten halten müssen. Das sei die Kunst, die man könne – oder nicht. Man solle dabei persönliche Freundschaften aufbauen, die halten. Voraussetzung von Außenpolitik ist auch die Sympathiefähigkeit des Außenministers. Außenpolitik ist mehr als bloße Verwaltung.

    Auch Geduld gehört dazu: In K. ließ man mich zwei Stunden auf das vereinbarte Gespräch warten. Macho-Manier! Aber es hat sich ausgezahlt.
    Und man muss ein Gespür für das Volk haben, das man besucht. Am besten abends heimlich in die Bars gehen, rumhören, riechen, fühlen. Das Herz der Völker ist der Hort deren Zukunft. Demoskopie ist demgegenüber nur Blabla.

    Und die Völker ticken unterschiedlich: die Briten schrecklich rational, die Deutschen kontroll- und ordnungswütig, und die Südamerikaner sind zum Großteil Machos. Afrika sehr emotional, tanzend, lachend, sehr schön.

    Ende Februar
    Nun hat die linke Medienmafia wieder ihr Opfer, das einen Fehler gemacht hat und dessen Blut man nun aussagt, bis es aus der Politik verschwindet. Nun haben sie es wieder erreicht, mit Hilfe der Frauen im Kabinett, die ihm heimtückisch in den Rücken gefallen sind. Ohne Erbarmen. Ohne Beachtung der Leistungen. Man muss hinter 1789 zurück, das aufgehetzte Volk ist gefährlich, aber nicht hinter 1688. Der Ethos des Journalismus muss sich ändern, auch deren Ausbildung, die nicht auch nur Kritik aus sein darf. Es ist doch nicht alles schlecht. Aber wie will man das erreichen. Teile der neuen Jugend denkt ja schon so.

    März
    Besuch in Japan: Sieht zwar nach außen sehr westlich aus, aber die ticken anders, die kennen letztlich unseren Individuumsbegriff nicht. Allein die Schüler, die alle in den gleichen Uniformen herumlaufen. Dass sie dann am Wochenende vielleicht ein wenig ausflippen, ist nicht typisch. Die Vielfalt in Deutschland ist größer, erst recht in den USA mit ihren unendlichen Weiten.

    April 2010 Zum Arbeitsbesuch in Rom, leider nur Geplauder beim Papst. Aber er gab mit ein Buch von Benedikt XII., über die Vervollkommnung des Menschen in der wachsenden Gottesschau. Letztlich zum ersten Mal damit konfrontiert. Las es in einer unbeobachteten Ecke des frühlingsdurchwehten Vatikangartens, die Garden hielten diskret Distanz. Ich war erschüttert und geriet in Zweifel über mein umtriebiges Leben. Ist das alles? Bringt das was? Mußte weinen und betete zum ersten Mal in meinem Leben. Ich konnte die Nacht nicht schlafen und wollte ins Kloster. Aber wem kann man das erzählen?

    Mai: weiterhin tief erschüttert, obwohl glaubensfern, fast depressiv. Ich ging auf dem Weg zum Amt – ohne es geplant zu haben – in die nächste Kirche, noch barock-golden, ohne dass es mich aufmunterte, und wartete fast gedankenleer die Beichtgelegenheit
    in dem menschenleeren Kirchenschiff – endlich nicht mehr diese Massen, aber ohne sie auch innere Leere, als würde man abstürzen 1 Nacht später
    Trotz Beichte fühle ich mich selbst dekadent. Meine Natur ist aber so, wie sie ist. Schon als Politiker ist man konstitutionell anormal, nicht im Alltag, neigt zur Selbstbespiegelung, durch die man erst hochkommt. Ständige Inszenierung wie am Hofe Ludwigs XIV. Die Probleme werden behandelt, aber als ginge es nicht darum. Wie beim dekadenten Tanz auf dem Vulkan, den man nicht mehr.

    Anfang Dez. Heute Wissenschaftler bei mir. Wollten mir mit statistischen BIP-Kurven beweisen, dass keine Probleme in den arabischen Staaten. Ich war etwas verwundert. Scholl-Latour scheint mir besser.

    (Anmerkung des Herausgebers: 1 Monat später stürzte – infolge des Protestes der Völker – ein arabisches Regime nach dem anderen.)

    Aus dem Tagebuch von Außenminister V.
    Aus: Archivalisches Bundesamt, XX K 2334
    Zu Weihnachten 1959 Gespräch mit der rothaarigen Entwicklungshilfeministerin Bona de Welldona kurz nach ihrem Amtsantritt. Schon beim Betreten des Dienstzimmers spürte ich ein enges und stickiges Klima, eine Mine, als ginge es darum, die Welt vor den Meeren von Unmoral zu retten. Sie bat mich, sich auf ihren hekeldeckenbelegten Stuhl zu setzen – und schwieg. Ich auch, da es ja undiplomatisch wäre, das Gespräch zu beginnen. Dann begann sie zu schluchzen, und rief laut aus: „Diese armen Kinder“. (Sie war kinder- und männerlos und erstarrt im Guten). Dann erzählte sie mir in einem hastigen Stakkato von den Kindern, die in Lateinamerika mit dem Dreck der Erde „Küche“ spielten – der Dreck war das Essen, das sie in kleine Töpfchen kippte. Ich hatte den Eindruck, dass die Ministerin nicht mehr Spiel und Wirklichkeit unterscheiden konnte. Und immer diese „Oh Gott, oh Gott“-Schreie zwischendurch. Immer wieder kam die Sekretärin, um sich nach dem Gesundheitszustand der Ministerin zu erkundigen.
    Ich war froh, als das „Gespräch“ zu Ende war.
    Anmerkung des Hrsg.: Es ist der Öffentlichkeit bis heute unbekannt geblieben, dass dies die erste Entwicklungshilfeministerin der Bundesrepublik war. Sie war auch nur 2 Tage im Amt, der Ministerpräsident zog sie dann zurück und bat die Presse, angesichts der Gefahren des Kalten Krieges nicht darüber zu berichten. Hier wird dieser Skandal zum ersten Mal aufgedeckt.)

    Ende Febr.
    Nach dem Gespräch mit dem zuständigen Abteilungsleiter Nah Ost unsere Geheimdienstes bin ich tief erregt über den Völkermord der libyschen Regierung am eigenen Volk. Schon gestern wäre ich beinah geplatzt: ständiges Gelaber der Kollegen in B., ohne Beschluß. Man schaut wieder zu wie während des Jugoslawien-Krieges. Was wir brauchen, ist eine übernationale oder notfalls nur amerikanische Fremdenlegion, die Angst und Schrecken verbreitet, so dass allein die Ankündigung, sie komme, alle Tyrannen fliehen lässt und alle Bürgerkriege beendet. Aber dazu sind sie alle zu feige, und die Bevölkerungen zu pazifistisch. In Liberia hat das aber geklappt. Man sollte sogar auch präventiv die Legion androhen oder gar einsetzen, ehe ein Konflikt gewaltsam ausbricht. ZB wäre es sicherlich sinnvoll gewesen, vor oder zu Beginn die Bevölkerungsgruppen und Stämme in Jugoslawien zu trennen, ehe sie sich wechselseitig umbringen. Aber das wagt man sich ja nicht zu äußern. Jetzt will man nur Sanktionen erlassen, Einreiseverbote für Gadaffi, als würde den das kratzen. Internationale Politik ist Machtpolitik und kein Gesäusel.

    Besuch in China
    Man sollte sich nicht wundern, dass in 100 Jahren China, Japan und Taiwan einen einheitlichen, großen, wirtschaftlichen und auch politisch-kulturell einheitlichen Raum bilden werden, zu gleich ist deren Herkunft, zu gleich die Religionen, zu gleich der Aktivismus. Wie man das für die Japaner und Taiwanesen erträglich gestalten kann, zeigt die Integration Hongkongs nach China. Es wird zu einer Föderation kommen, mit großen Freiheiten für die Teilstaaten.

    August
    Bei de Gaulle im Elysée: Welche Größe – nicht nur körperlich! Wohin er kommt, herrscht er durch schlichte Präsenz. Wenige Worte von Pflicht und Aufgabe und Mut – als Anweisung an seine Minister, als Kabinettssitzung. Keine „Diskussion“ natürlich. Und er geht. Solche Präsidenten als vom Volk herbeigesehnte Monarchen brauchen wir – über den Massen und Parteien, um die Dekadenz zu überwinden.

    Juli
    Wie soll die Welt der Zukunft aussehen? Auf jeden Fall: nicht alles zentralisieren, das schafft nur Bürokratie und Unfreiheit. Die UN sollte sich nicht in alles einmischen, insbesondere nicht über diese schrecklichen Klimakonferenzen. In den Regionen der Welt kann man viel mehr besser regeln: Lateinamerika, Europa, der arabische Raum, und dabei auch auf die jeweiligen Besonderheiten Rücksicht nehmen: Die USA dürfen die Freiheit haben, die Klimafrage anders zu sehen. Und wirtschaftlich gehen z.B. die deutschen Exporte zu 70% in den EU-Raum. Vielleicht baut man auch mehr AKWs, damit wir nicht mehr so vom Öl abhängig sind. Die Regionen können ja punktuell zusammenarbeiten über die G8/20, wenn das Finanzsystem wieder zusammenbrechen droht. Das wär´s.

    Oktober
    Die Modethemen des Journalismus sind schon entnervend, und immer wieder die gleichen Antworten: blabla. Multikulti, kulturelle Globalisierung ist en mode. Aber ich war bei Staatspräsidenten im Zelt, in der Wüste zu Besuch, und nicht nur er dachte in Wüsten-Kategorien: Kampf, Kampf, Kampf. Ich habe den 200 kg-König von Tonga kennengelernt, wie er mit seinen Frauen in Kokosnußschalenbüstenhalter tanzt und flirtet – auf einem „Staats“bankett. Und ich war in einem MacDonald-Restaurant in China: so viel katzenhafte Flinkigkeit und Eile bei Eleganz der Bewegung auf engstem Raum, ohne trotz Tempo zusammenzustoßen, habe ich noch nie gesehen. Nicht von Multukulti – die Welt ist vielfältig und bunt.

    Um in dem Gerede der Medienöffentlichkeit zu überleben, braucht man klare, außenpolitische Doktrinen, dass man sich auch außenpolitisch nicht überall einmischen soll, die Leute leben lassen, wie sie leben; Einmarsch erst, wenn Völkermord, ab 100.000 Tote, z.B. Ruanda, dann aber schnell und effektiv, am besten mit den britischen Ghurkas: da haben alle schon Angst davor, wenn man nur ihr Kommen ankündigt.

    Juni
    Ich bin schon viel durch die 3. Welt gefahren, habe aber kaum Hunger gesehen. Dagegen die alarmistischen Daten der UN. Was denken, was tun? Wie kommen solch obskure Daten zusammen? Gespräch mit dem Referatsleiter. Die Daten, sagte er, werden aus makroökonomischen Modellen abgeleitet, man zählt also nicht die Hungernden. Man sagt, wenn das Bruttosozialprodukt um so und so viel sinkt, dann sinken die Einkommen, und dann steigt auch der Hunger – ein reiner Ableitungszusammenhang, ähnlich abstrakt, wie man im Computer über komplizierte Modelle die angebliche Klimaerwärmung vorhersagt … Die heißen wohl nicht zufällig „Modelle“. So definiert auch Wikipedia: Ein Modell erfasst nicht alle Attribute des Originals. Das Modell vereinfacht, ohne dadurch das Wesentliche zu erfassen. Außerdem wird die Armutsgrenze nicht absolut, sondern relativ (bezogen auf den Reichtum einer Gesellschaft) definiert, so dass auch in Deutschland die Armen oft als ganz, ganz arme Wesen dargestellt werden – mit 370 E im Monat (+ Miete)! – das Durchschnittseinkommen in der Bundesrepublik der 60er Jahre, und die waren damals zufrieden, so wie im angeblichen Hungerland Bangladesh die glücklichsten Menschen leben. Ist ja auch sehr fruchtbar dort alles. Und dann kommt das Umverteilungsgerede, als würde das Kapital der Reichen nicht produktiv investiert. (Die Armen verzehren es nur im Gegenteil konsumptiv – weltweit.) Aber lassen wir das hier.

    Aber was ist dann Armut in der 3. Welt? Es gibt faktisch nur rd. 6 Hungerländer in der Welt: Kongo Kinshasa – wegen der Stammeskriege; Äthiopien – wegen der Kriege und inneren Unruhen; Indien – wegen des schrecklichen Fatalismus der Hindu-Armen; und Indonesien – wegen der Transportprobleme zwischen den vielen Inseln.
    Und man soll sich Hunger nicht so vorstellen, als lägen da en masse skelletöse Menschen auf den Straßen, Das ist eher selten, und wenn, dann helfen die mehr als vielen Entwicklungs-Organisationen und NGOs mehr als genug. Hunger bedeutet vielmehr, dass man evt. früher stirbt. Aber was kümmert das einen 30ig Jährigen, er weiß es ja gar nicht.

    Ruanda
    Die Berge von Totenschädeln hier machen mich sprachlos. Trotz Auschwitz hat der Westen hier nicht rechtzeitig geholfen. Auch, weil die Pazifisten bis weit ins bürgerliche Lager hinein dagegen waren. Man wollte seinen Sohn nicht opfern …. Als hätte das die Amerikaner 1944 im Kampf gegen Hitler gerne getan.
    Man verharmlost sogar das Böse, das in diesen Bergen zum Ausdruck kommt. Es sei verursacht durch Armut. Als würden alle Armen morden. Und das in einer Welt, in der das kapitalistische System und Denken mit seinem Unendlichkeitswahn alles erfassen und verwerten will. Und damit zum Bösen verführt, das in uns steckt. Mir ist es ein wenig fern, da ich depressiv eher zum Nachgeben neige und eher smart oder anpassungsbereit in der Politik nach oben gekommen bin. Aber zuweilen spüre ich es schon, dieses angenehme Gefühl, über andere verfügen zu können … Mir wird angst vor mir.

    Anhang (genaues Datum nicht mehr feststellbar.)
    Ich habe ein kleines Drama verfasst, in Brüssel, während dieser endlosen EU-Sitzungen, sonst zeichne ich dort vor Langeweile immer Strichfiguren mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, was bei meiner finnischen Kollegin bereits Stirnrunzeln hervorrief.

    Titel:
    Martin und Hannah

    Filmmanuskript

    1. Akt

    Der Seminarraum einer Universität, modern ausgestaltet: Tafel, Beamer, helle Tische und Stühle, 20 Studenten – alle in Jeans – sind anwesend, links vorne sitzt die auffallend schöne, junge Studentin Hannah; ein salopp gekleideter Professor, rd. 40, betritt den Raum. Das Stück spielt in der Gegenwart.

    Prof.: Guten Tag, wir wollen heute unsere philosophische Diskussion darüber fortsetzen, was Wahrheit ist. Also: Ist dort ein Stuhl? (Er hebt einen Seminarstuhl auf den vorderen Tisch. Die Studenten lachen.)

    Student 1 schreit: Natürlich ist da kein Stuhl. (Alle lachen, auch der Prof.).

    Prof. Alles ist also nur Schein, Lug und Trug, oder?

    Student 2: Wenn man alles in Frage stellt, wie heutzutage insbesondere in den Medien und an Unis üblich, vergisst man allerdings, diese Position selbst auch in Frage zu stellen. Das tun die Journalisten und Wissenschaftler dann aber nicht – und das ist inkonsequent.

    Prof. Sehr gut. (Im Hintergrund sagt ein Student deutlich hörbar: Quatsch!) Gibt es Evidenzen, unbestreitbare Offensichtlichkeiten?

    Student 3: Ja, wenn man eine Sache lange wissenschaftlich erforscht hat, wird einem das schon klar.

    Student 4: Aber wenn man einen Menschen lange erforscht, glaube ich nicht, dass man dann weiß, was der ist und will. Wahrscheinlich lässt sich der das auch nicht gefallen. Oder man sperrt ihn in ein Labor ein, aber dann ist er kein Mensch mehr. Ich weiß, was meine Frau ist, wenn ich mit ihr zusammenlebe, Herr Heidegger. (Hannah wird rot und ist irritiert. Sie ist sein Betthäschen, er sagt, seine Muse.)

    Student 3: Aber wir haben doch viele Theorien über den Menschen.

    Student 4: Ja, die sagen, dass der Mensch kriminell wird, wenn er arm ist. Was für ein Unsinn! Und eine Beleidigung für die Armen (wenn die überhaupt arm sind.)

    Prof. Steht da nun ein Stuhl – oder nicht?

    Parallel dazu: Treffen einer Studentengruppe wie bei Dostojewski, im Hintergrund Arbeiterlieder von Ernst Busch, WG, überall Matrazen, ein paar MGs liegen rum. Im Hintergrund Lenin und Mao.
    Revoluzzer 1: Das bloße Reden bringt nicht mehr viel. Wir müssen ein Zeichen setzen. Der Pol Pot hat das schon richtig gemacht.
    Jemand klopft. Alle schweigen. Nach einer Minute reden sie weiter.
    Revoluzzerin 1: Wir haben ja schon ein Waffenlager in der ESG ….
    Alle wie im Chor: Laßt uns anstoßen auf die Revolution, es lebe die revolutionäre Gewalt. Wir müssen unser Blut opfern. Eine Große TAT. Einigkeit mit dem palästinensischen Volk, Nieder mit dem jüdischen Weltkapital.“
    Ein mäuschenhaftes Revoluzzermädchen 2: Aber muss es denn Blut sein?
    Alle lachen und werfen sich auf die Matrazen, wo sie sich zu befummeln beginnen – Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau. Ein lang sich hinziehendes Sexgestöhne durchzieht orgiastisch den Raum.

    Student 4: Ich lebe in meiner Welt doch einigermaßen vernünftig, und ich gehe ständig davon aus, dass da ein Stuhl steht. Er ist mir präsent.

    Prof.: Und das ist schon, was Sie wissen müssen. Verlassen Sie sich auf Ihr natürliches Bewusstsein und Wissen und Empfinden, und das reicht. Die Wissenschaft vernebelt das nur. (Die Tür öffnet sich und bärtige Studenten mit Mao-Mütze betreten langsam den Raum. Prof. redet etwas erstaunt weiter.) Das einzige, was an ihr gut ist, sind die angenehmen Jobs. Sollen wir da nicht ehrlicher die Uni schließen und nach Hause gehen?

    In diesem Moment ruft der Führer der Horde verwahrloster, kommunistischer Studenten in den Raum: Das wäre Ihnen wohl recht, die Kritik auszuschalten, Sie Kapitalistenschwein.

    (Prof. lächelt überlegen.)

    Die Horde skandiert lautstark: Zer-stört das, – was Euch – kaputt macht. (3 mal wiederholt.) Nie-der mit der Profit-Macht. Weg mit dem Weltkapital. Für die Diktatur des Proletariats im Sinne Maos.

    1 Studentin an der Tür: Quatsch, die Kapitalisten finanzieren immerhin auch Euer Bafög.

    Prof: So, das ist genug, meine Herren!
    Eigentümlicherweise verlässt die Horde (darunter auch ungeschminkte Frauen in Leinensäcken gekleidet) problemlos den Seminarraum, und der Prof. hat bereits das Platonische Höhlengleichnis an die Tafel geschrieben und dabei laut vor sich hin geflüstert: „Wenn die Massen losgelassen“ (2 Mal), als er sich wieder zum Publikum zuwendet und sieht, wie die Studentin von eben, die sich gegen die Horde gewandt hat, an der Tür plötzlich, aber langsam zusammenknickt, auf den Stuhl hinter ihr gleitet und dort kauernd, seitwärts fällt.

    Es entsteht ein Tumult, die Studentin wird auf den Tisch gelegt, und in ihrer Seite entdeckt man einen langen Gurka-Dolch.

    2. Akt

    Eine Sitzung der Fakultät 2 Wochen später.

    Der Dekan eröffnet die Sitzung, begrüße schwülstig die Teilnehmer und betont, dass die Hochschule der Gemeinschaft, den arbeitenden Menschen dienen und sie befreien müsse. (Alle klopfen auf die Tische.) Er fährt fort:
    Dekan: Ich verlese die Tagesordnung und bitte zugleich um Ihre Zustimmung.
    3. Anschaffung eines Diktaphoniergeräts für unseren Kollegen vom altbyzantinistischen Seminar. Wer ist dagegen? Keiner, so geschehen.

    (Ein Prof. des Fakultätsrates flüstert zu seiner Kollegin neben ihm: Das geht ja glücklicherweise zu wie im Kommunismus. Kollegin: Hoffentlich macht der Gorbatschow nicht alles kaputt.)

    4. Resolution gegen die kapitalistische Vereinnahmung der Universität. Der Text liegt Ihnen vor. Wer ist dagegen? Keiner. So beschlossen.
    5. Der von der Kripo behauptete Mord an der Studentin Meyer-Muthoff, die Senatsmitglied des liberalen Studentenbundes war. Ich rege an, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Vorsitz: Prof. Heidegger (der vom obigen Seminar im 1. Akt.) Einverstanden? So beschlossen. Kosten der Kommission können nicht ersetzt werden. Außerdem bitte ich den Ruf unserer Alma Mater zu beachten.
    6. Die Sitzung ist geschlossen. Es lebe die Wahrheit.

    Die Gruppe löst sich in einem Stehempfang mit kaltem Büffet und Sekt auf.

    7. Akt im Nahen Osten

    In einem Café eines Basars von Damaskus.
    Heidegger: Wir müssen auf den Emissär des syrischen Geheimdienstes warten. Der BND, dass er uns zur Organisation des Studentinnen-Mörders führen kann. Hier sitzen doch die ganzen deutschen Linken und holen sich Waffen bei der PLO.
    Hannah: Man sagt, auch Baader und Meinhof waren hier.
    Sie warten, er hält ihre Hand.
    Hannah: Hier braucht man noch viel Technik, um die Länder zu entwickeln.
    Hei: Warum? Hier hungert doch keiner. Die großen Familien hier bergen noch den einzelnen. Man ist nicht so hektisch, und glaubt auch noch an Gott. Nur wenn sie nicht so fanatisch wären – und diese Machos. Hei himmelt Hannah an.

    Mehrmals zuvor eingeblendet kurze Sexszenen zwischen Hannah und Heidegger, durchaus handfest.

    =========================================================
    Hannah: Ja, das schreibst Du ja auch immer wieder.
    Hei: Technik macht alles kaputt, sie zerlegt alles wie die Wissenschaft in Einzelteile, und kriegt das nicht mehr zusammen, die Gesellschaft zerfällt.
    Im Hintergrund taucht ein Araber in typischer Geheimdienstmanier und –kleidung auf. Sonnenbrille, ausgebeulte Hose wegen Waffe usw.
    Araber herrisch: Kommen Sie!
    Im Folgenden wird eine schnelle Fahrt durch die Basare in einem Rang Rover geschildert und dann durch Wüstengegenden, Plötzlich tauchen am Himmel 4 schwarze Hubschrauber auf, die runterschießen.
    Araber: Die Hisbollah.
    Alle verkriechen sich unter dem Auto. Es beginnt eine wilde Schießerei.
    Im folgenden nun einige Szenen dieser Art, wie wir sie aus den schönen Hollywood-Filmen kennen.

    Dann geht es weiter. Hannahs und Heideggers Augen werden verbunden.
    Sie kommen in einem Zeltlager an und werden in das größte Zelt geführt. Dort sitzt an einem Schreibtisch ein intellektueller Araber, der sich Ibn Schmitt nennt, mit Arafat-Tuch. Großsprecherisch geht er durch den Raum hin und her und hält einen Monolog.
    Ibn Schmitt: Mein Name ist Ibn Schmitt, benannt nach dem großen Carl Schmitt, den ich wie Sie verehre. (Heidegger wiegt den Kopf). Ich habe alles gelesen, und wie 1933 werden wir den Nahen Osten ändern, minus Juden. Ich werde Ihnen natürlich nicht den Studentinnenmörder ausliefern, der BND hat sie nur hier hin gelockt, um sie loszuwerden, der ist links unterwandert. Und ich will Sie sprechen wegen Ihrer Lehre der Entschlossenheit.
    Heidegger steht empört auf: Nein, nein, das mache ich nicht mit. Ich habe mich von 1933 eindeutig distanziert, das war nicht nur ein Fehler, sondern ein Irrtum und eine schuld, die ich bis heute bereue. Ich habe mein ganzes Denken seither umgekrempelt.
    Ibn Schmitt: Ja, ja, ich weiß. Sie sind eingeknickt. Aber was meinten Sie 1933 mit der Entschlossenheit zur großen Tat, egal, wie man Sie begründe?
    Heidegger: Ich kann nur das antworten, was ich jetzt denke. Und ich weiß nun, dass der Denker verantwortlich ist für das, was er sagt. Der Mensch muss sich gelassen auf die Welt einlassen, wie sie ist. Das ständige Ändernwollen ist das Verhängnis. Wie die Welt ist, ist sie gut. Wir müssen in ihr schmiegsam wohnen und sie wie Hirten pflegen.

    Schweigen

    Ibn Schmitt: Es ist ja schrecklich, was Sie sagen. Sie wollen nicht. Ich befürchte auch: Sie können auch nicht mehr. Sie enttäuschen mich. Sie sind ein Weichei. Gehen Sie! Ich möchte Sie nicht mehr sehen.

    Sie gehen erleichtert.

    Heidegger: Ich werde nie mehr etwas schreiben. Wir wissen ohnehin die Ursachen nicht. Es bleibt nur noch beten, leben und Kinder kriegen.
    Hannah: Endlich.

    Hochzeitsbild zum Schluß: Alpen mit Schnee, katholische Barockkirche, Pfarrer, Hochzeitskleid für Hannah, Engel am Rand des Buntfotos, große Harmonie und Freude.

    August
    Außenpolitik, Währungspolitik, z.T. auch Sozialpolitik kann man nur als Exekutive betreiben, unabhängig vom Parlament, die exekutive wird natürlich von diesem gewählt, aber dann besteht Autonomie. So sieht es ja auch das GG vor, mit seinen vielfältigen Ermächtigungen und Verordnungsmöglichkeiten. Die Legislative soll nur für den Fall des Missbrauchs kontrollieren, wie das ja auch in England der Fall ist. Ansonsten wird man Opfer sich ständig ändernder Meinungsumfragen.

    Undatiert
    Warum ist die italienische Staatsanwaltschaft erst jetzt unabhängig, obwohl formell schon seit 1949? Warum sind die Staatsanwälte nicht schon gegen die Korruption der 70er und 80er Jahre vorgegangen? Weil damals der Linke Craxi Ministerpräsident war? Und Berlusconi rechts? Und die Staatsanwälte alle 68er?

    Notizen für einen Zeitschriftenbeitrag:
    Die einzige Revolution, die ich glücklicherweise nur erlebt habe, ist die der Frauenemanzipation. Es lief ab wie immer bei Revolutionen: Unter dem Vorwand der Gleichberechtigung wurde sich 1970 offen zu Straftaten (Mord an Embryos) bekannt, die Intellektuellen und Medien feierten das, und dann knickte auch schon der Gesetzgeber ein und legalisierte das. Ebenso hochgejubelt wurde das Bild der unabhängigen Frau (sind wir nicht alle von allen abhängig?), Familien zerbrachen, Kinder nicht mehr geboren. Es ist unbestritten, dass zuvor Ungerechtigkeiten gegen Frauen passiert waren. Aber nun? Die Emanzipation ist nur für die wenigen, starken, d.h. mittelständischen Frauen gut. Die Schwächeren (das können Frauen und auch Männer sein) gehen in der schrankenlosen Freiheit unter, sie bräuchten die Stützen von Familienverbänden, die nun wegbrechen. Und dann das Gerede: Es war so schrecklich früher, davor! Als wären die Frauen nur geschlagen worden? (Es gab auch viele Zicken und Drachen, nach meiner Kenntnis und Zählung in 1/3 der Familien und Ehen). Als hätten die Männer die Berufstätigkeit ihrer Ehefrauen verboten? Nein, es war einfach nicht üblich, und Nicht-Arbeiten zu müssen ist ja auch was Gutes, was die Frauen auch so sahen: Morgens Haushalt, nachmittags frei.
    Schon Ranke sagte: Alle Epochen sind gleich nah zu Gott. Es gibt keinen Fortschritt, zumal die jeweils Lebenden nicht wissen, was kommt.

    Pfingsten (ab hier verliert das Tagebuch seine chronologische Ordnung. Der Hrsg.)
    Immer dieser Unendlichkeitswahn! Ewiges Wachstum. Immer besser.
    Das kommt von dem lebensfremden Kant, der die ehe als wechselseitigen Gebrauch
    der Geschlechtswerkzeuge betrachtete.
    Nie ist etwas vollendet. Immer strebt man einem fiktiven Ideal oder Naturzustand an, der endlose ewige Diskurs darüber. Das vollendete Ruhe im Guten und Glücklichen kannte aber noch die alten Griechen. Wie es wieder herstellen? Rückzug, Askese, (ggf. weltliches Mönchtum).

    NACH EINER KONFERENZ
    Glaube jetzt an meine Taktik. Eigenes Phänomen: Weiß nicht mehr, was meine eigene Über-
    zeugung war. Nicht einmal sich selbst kann man steuern, erst recht nicht andere. Wir haben mehr
    Bücher als Wissen, die Steuerungsmöglichkeiten vorgaukeln.

    ==========

    Ich wandere aus. Kanada, wie Wittgenstein. Bin es leid. Auch eine Regierung hat das Recht, zu verschwinden. Ohne Regierung klappt es ohnehin besser. Staatskrise? Quatsch. So wichtig bin ich auch nicht. Die Menschen sind ja nicht doof. Und den Rest machen unsere guten beamten per Verordnung. Ade!

    NOTIZEN ZU EINEM WISSENSCHAFTLICHEN VORTRAG
    Gleichgewicht und Gewaltenteilung in Innen- und Außenpolitik
    Geschichte des internationalen Systems (mit Regeln für die
    Politik von heute und morgen in Überblicken und Tabellen)

    Gewaltungteiliunhgg im innere als btremse gegen basisdemokratische Dyanmik

    Inhaltsverzeichnis

    Einleitung und Definitionen
    Historischer Vergleich nach Aron
    Rolle der Diplomatie
    Gewaltenteilung gegen direkte Demokratie: Gaddafi usw.
    Montesquieu und die Tugenden: Ruhm. Herschsucht,
    Einzelne (Napoleon) gegen Gleichgewicht
    Ägypter – Perser – Hethiter und der
    Kampf um die palästinensische Nord-Süd-Passage
    Numinose Räume und Barbaren ohne gleichgewichtsfähige Partner: Nubien,
    Urwälder, Wüsten, Berge (Schweiz, Tibet), Kongo, hier nur Eroberung oder Ignorierung möglich
    Masse und Macht: Canetti
    Perser gegen Griechen
    Sparta gegen Athen
    Römer gegen Perser
    3 Reiche im frühen China
    Indien
    Umkippen von Gleichgewichten
    in Universalreiche?
    Die Konkurrenz der Maya-Staaten
    Abendland versus Morgenland
    Staaten ohne Gleichgewicht: Japan, Thailand
    Habsburg und/oder Frankreich
    italienische Stadtstaaten
    Thailand – Kambodscha – Vietnam?
    Europäer gegen Osmanen
    Gana – Aschanti – Yoruba
    Inkas – Atzteken? China – Europa im Mittelalter? (überhaupt Kontakte)
    Gleichgewichte in Zentralasien
    wechselnde Gleichgewichte der absolutistischen
    Staaten (nur möglich, weil absolutistisch)
    Österreich – Preußen/Deutschland – Rußland
    im 19. Jahrhundert
    Mexiko – USA
    Rußland, Frankreich, England
    und die Mittelmächte um 1900
    kein Gleichgewicht zwischen den Weltkriegen
    Nato gegen Kommunismus
    wechselnde Bündnisse in der arabischen Welt
    wechselnde Koalitionen in der EG/EU
    Rußland – China- USA unter Nixon
    Koreas – Japan – China – USA heute
    Vietnam – Thailand – Indonesien u.a.
    Indien – Pakistan?
    USA – EU?
    Nigeria – Südafrika
    Brasilien – Argentinien – Mexiko?
    Die Welt von heute und morgen: Einigung Arabiens als Gegengewicht

    Einleitung

    Zu den grundlegenden Thesen dieser Untersuchung gehört es, dass
    1. nur ein diplomatisch fein gemanagtes Gleichgewicht von 2 bis 5 Staaten (nicht mehr) den Frieden sichert,
    und dass
    2. eine wachsende innenpolitische Fundamentaldemokratiserung aller Lebensbereiche undd damit verbundene
    Emotionalisierung und Irrationalisierung von Politik auch internationale Gleichgewichte gefährden kann, wenn z.B.
    gegen wichtige Gleichgewichtspartner Menschenrechtskampagnen gestartet und der dadurch verprellt wird. Gegen
    Völkermord muß man vorgehen, aber nicht gegen soft dictatorship wie in China z.B.
    3. Gleichgewicht in der Innenpolitik und Gewaltenteilung (=Gleichgewicht der Gewalten) in der Innenpolitik hindern
    Demokratien vor dem Verfall in anarchische Demokratisierung, Das sagten schon Platon, Aristoteles, Polybios, Montes-
    quieue und die amerikanischen Verfassungsväter. Warum nicht auf sie hören?

    Hethiter – Ägypter – Assyrer: das erste Gleichgewicht der Weltgeschichte

    Hethiter (Kleinasien)(1) Assyrer (Mesopotamien)(3)

    ansonsten getrennt durch ansonsten von Ägypten durch
    das östliche Mittelmeer die arabische Wüsten getennt

    alle territorial verbunden
    über Palästina

    Ägypten(3)

    Friedensvertrag von 1259 v.Chr.: Bündnis zwischen 1 und 3 gegen 2
    dadurch Angriffe sowohl gegen das so erstarkte Ägypten seitens der Libyer als auch auch gegen
    die Hethiter seitens der Assyrer verhindert, die südlich des Kaspischen Meeres eine lange, gemein-
    same Grenze hatten
    Durch den Friedensvertrag wurde die territorialen Streitigkeiten und Kriege zwischen Ägypten und
    Hethitern um die Landbrücke Palästina (Brücke zwischen im Westen und Wüste im Osten) beendet.
    Regel: Gleichgewichtspartner brauchen nicht territorial verbunden sein, um ein Gleichgewicht zu bilden.

    Das Gleichgewicht zwischen Persern und Griechen im 5. vorchristlichen Jahrhundert

    480 – 477 v. Chr. Krieg
    Anlaß: Aufstand der Griechen in Kleinasien gegen die Perser
    Athen, Sparta Perser (Großreich)

    aber nicht alle griechischen Stadtstaaten

    Freiheit Despotie

    Sieg der Griechen

    477 ff. Attischer Seebund unter der Führung
    Athens, aber ohne Sparta
    Sparta: eher konservativ-defensiv
    Athen: demokratisch-imperial
    449 Perser anerkennen schließlich die Autonomie der griechischen Städte in Kleinasien an. Mangels Gegners
    löst sich der Seebund auf.

    Regeln:
    1. Seitdem für 50 Jahre regionales Gleichgewicht zwischen den Gegnern im Raum der Ägäis
    (was einzelne, aber begrenzte Kriege nicht ausschloß).
    2. Diese 50 Jahre waren auch die Zeit klassischer kultureller Hochblüte in Griechenland. Außenpoli-
    tischer Friede fördert die Kultur.
    3. Nur die Territorialstaaten Sparta, Athen und Persien waren gleichgewichtsfähig, die reinen
    Stadtstaaten waren nicht beteiligt oder unbedeutend.
    4. Athen – als informelle Dominanzmacht, da Sparta passiv – beginnt seit 454 kriegerische
    Unternehmen gegen Sparta, Persien u.a. – mit “demokratischen” Zielen zur Befreiung der
    angegriffenen Staaten, aber auch zur Arbeitsbeschaffung der athenischen Wähler. => Gefahr für das
    Gleichgewicht
    5. Gleichgewichte sind auch zwischen ungleichen Partnern möglich, wenn die Gleichgewichte regional
    begrenzt sind und nur einen Teil der Kraft des überlegenen Partners umfassen, bzw. von diesem
    mobilisiert werden können.
    6. Autoritäre Staaten sind auf den Erhalt des inneren und äußeren Bestandes bedacht, sie sind konservativ,
    weil sie das Bestehende für einigermaßen gut halten – auch außenpolitisch, weshalb sie außen- und
    innenpolitishc sehr zurückhaltend vorgehen. Demokratien neigen wegen des Mechanismus, dass jeder
    immer wieder Anhänger überzeugen muß, zum Aktivismus, zum Versprechen des Besseren, innen-
    und außenpolitisch.
    6. KJonsewrvative Staaten müssen sich also zoll- und wirtschaftspolitisch partiell gegen externe Dyna-
    miken abschotten können (was deren Bevölkerung allerdings durch Verzicht mit tragen muß) – und
    auch kulturell (z.B. gemäß der heutigen französischen Medienquote für einheimische Filme, um die
    Dominanz von Hollywood oder auch von Bombay abzuwehren.)

    Peleponnesischer Krieg: Athen gegen Sparta am Ende des 5. vorchristlichen
    Jahrhunderts (431 – 404)

    445 Vereinbarung Sparta – Arthen, dass landwärts, d.h. gegen Sparta, nicht mehr aktiv werden will. =>
    => labiles Gleichgewicht zwischen beiden, um so unsicherer, je mehr sich Sparta zurückzieht.
    Weiterhin Bestreben Athens, informelle Führerin einer panhellenischen Union zu werden – zum
    Ärgernis Spartas, das sich darin unterlegen glaubt und/oder findet. Union bedeutet auch Vereinheit-
    lichung und Gleichmacherei, was das konservative Sparta mit der Vorliebe für Vielfalt ablehnt.

    Athen Sparta

    rd. 300000 Einwohner um 435 431: Sparta unterstützt Thebens Angriff auf
    (davon 100000 Slaven) einen Verbündeten Athens, da es durch Übermacht
    Wirtschaftliche und kulturelle Athens das Ende des Gleichgewichts und seine
    Expansion, was Sparta als Gefahr sieht eigene, langfristige Unterlegenheit fürchtet.
    (wie heute Rußland im Gegensatz zu
    den expansiven USA) zahlreiche Folgekriege

    Wechselnde Siege und Niederlagen auf beiden Seiten, bis beide geschwächt aus dem Krieg hervorgehen. Formell ist
    schließlich Athen der Verlierer, das 404 seine Festung schleifen mußte, aber materiell beide Seiten –
    zu Gunsten des informellen Siegers Persien. Folge des nun fehlenden Gleichgewichts war ein dauernder Kampf
    zwischen den griechischen Städte bis um 300 die Makedonen und ab 100 die Römer die neuen Herrscher
    waren.

    Regel:
    1. Der Passivismus des Konservativen droht dem Aktivismus des “Demokraten” meist zu unterliegen, obwohl
    Aktivismus nicht per se besser ist als Passivismus, der die Menschen zumindest in Ruhe läßt. Aber der
    “Demokrat” verspricht stets ein besseres Leben in der Zukunft, was ihn attraktiver macht und zu außenpolitischen
    Interventionen (heute: Menschenrechtsuniversalismus) sowie zu ständigen, kulturellen “Innovationen” (Hollywood-
    Syndrom) verleitet. Das spartanische Leben ist dagegen in sich ruhig, solide, sittlich gefestigt und auch
    nicht notwenigerweise diktatorisch, allerdings ggf. demokratisch-repräsentativ-autoritär wie in der Adenauer-
    Ära. Nur eine solche Regierungsform kann die Dynamik unkontrollierter BAsisprozesse (Platons pleonexia: das-
    immer-mer-haben-und-sein-Wollen) abwehren.
    2. Basisorientierte Demokratien bedrohen aufgund der ihnen inhärenten, espansiven Dynamik internationale
    Gleichgewichtssysteme und damit den Frieden. Beipiel auch: US-Präsoidenten Carters und Reagans Menschen-
    rechtsstrategie gegenüber der UdSSR und dem beinah ausgebrochenen 3Atomkrieg zwsichen den Blöcken
    1982 (da die UdSSR einen Angriff der NATO fürchteten).
    3. Kriege aus einem Gleichgewicht heraus sind für beide Seiten gefährlich, da sich die Kriege wegen der un-
    gefähren Gleichheit (insoweit berechenbar) beider Seiten endlosen hinziehen läßt und beide schwächt.
    4. Stattdessen müßten solche Kriege durch Diplomatie und Anerkennung der Interessen beider Seiten
    verhindert werden – durch ein diplomatisches Gleichgewicht.
    5. Die Zeit des peleponnesischen Krieges und die Zeit der Kriege danach war gekennzeichnet durch kul-
    turellen Verfall: kein großen Tragödien mit erschütternden Schicksal, sondern bürgerliche Bequemlichkeit;
    Verfemung von Sokrates und Platon; Vertreibung des Aristoteles usw. Kultur ist nicht mehr – wie auch heute -
    zur existentiellen Größe fähig, sondern läppert im lapidaren Relativismus (subjektivistische Tagebücher,
    Selbstbespigelungen eines Handke, banale Altersweisheiten von Grass).

    Kein Gleichgewicht zwischen dem Römischen und Persischen Reich 250 – 650 n.Chr.

    Römisches Reich Persisches Reich (Sassaniden)
    zahlreiche Kriege, unterbrochen durch Friedenszeiten

    kein Gleichgewicht,
    weil sich beide als Universalreiche fühlten, die außer sich nichts duldeten, es sei denn, es sei fern (China
    als Universalreich z.B.). Wegen fehlender Trennung von Religion und Politik neigten die territorialen Großstaaten zum
    Universalismus,d.h. sie behaupteten, die einzig legitimen Gesellschaftskörper zu sein, was Gleichgewichte und damit
    Kompromomisse gegenüber anderen Staaten ausschloß. Erst der moderne NAtionalstaat ermöglichte die Trennung
    von Religion und Politik und damit Gleichgewichte im engeren Sinne. Zwischen Universalreichen waren zuvor Gleich-
    gewichte nur möglich, wenn die Verbindungen zwischen ihnen begrenzt waren (z.B. zwischen Ägyptern und
    Hethitern nur über die enge, palästinensiche Landbrücke.)
    Folge: beide Seiten schließlich derart erschöpft, dass die mohamedanischen Araber ab 650 ihr neues Universalreich
    gründen konnten.

    Das Gleichgewicht in der Welt von heute

    Politisches Gleichgewicht: USA (+EU + Japan), Rußland, China, optimale Dreier-Koalition (G8)
    Grundsatz: Anerkenntnis der legitimen Interessen der Partner, z.B. des Cordon sanitaire für Rußland,
    der Rohstoffinteressen Chinas, des Interesses der USA an der EU
    kein demokratsicher Idealismus

    Wirtschaftliches Gleichgewicht (G20): Nordamerika (inkl. Mexiko), Brasilien, Nigeria/Südafrika, Türkei +Saudis,
    Indien, China, Japan

    Kulturelles Gleichgewicht: Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus (inkl. China + Japan)
    bei Anerkennung des anderen, ggf. weltweiter Rat der “Päpste”

    Regeln:
    1. Interventionen in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten nur, wenn Völkermord droht, durch starke
    Elitetruppe wie die Fremdenlegion
    2. Abwehr außenpolitischer, insbesonderer atombewaffneter Agression (Iran) durch gemeinsamen Krieg
    3. Grundsatz des freien Welthandels bei Wahrung legitimer Eigeninteressen (z.B, begrenzter Schutz
    einheimischer Industrien), Vorbild: WTO
    4. Gegenwärtig verletzten die USA, Deutschland u.a. die legitimen Sicherheitsinteressen Rußlands,
    durch Menschenrechtskampagnen, durch Ausdehnung der NATO ggf, bis nach Georgien und durch
    wahllose Interventionen wie 2011 in Libyen (obwohl dort kein Völkermord; man kann nicht gegen jede
    Diktatur intervenieren!).
    5. Rußland verbündet sich daher zunehmend mit China, da mit afrikanischen Staaten verbunden ist,
    über die es seine Rohstoffinteressen befriedigt.

    Früh morgens, auf einer Parkbank
    Troerinnen des Euripides gelesen. Die Besiegten des Trojanischen Krieges seien besser
    dran als die Sieger, die wie Agamemnn umgebracht oder wie Odysseus umhergetrieben
    wurden. Ist vielleicht Gadaffi – bei aller Abscheulichkeit – der revolutionär Ehrenhzafte, der
    für seine Idee stirbt, als der Sarkozy, der – um die nächsten Wahlen gegen die Rechtsex-
    tremen zu gewinnen – einen Krieg anfängt und die Türken vor den Kopf stößt, mit dem
    Ziel, antiislamische Ressentiments zu schüren (wasnicht sagen soll, es gäbe unter den
    Muselmanen keine gefährlichen Minderheiten, ähnlich wie auch 1933).

    An der Klagemauer (Wirklichkeit oder Traum, ich weiß es nicht)
    Ein Volk des Leidens: es ist Größe, nach Auschwitz den Staat Israel aufbauen zu können.
    Quelle peuple, hätte de Gaulle gesagt. Größe erwächst ohnehin nur angesichts des Un-
    tergangs, überall Altes Testament: auch Kampf und Einstehen für die Sache.
    Westeuropa und vor allem Deutschland nur noch NT ohne AT.
    Wie vererbt sich das über Generationen? Wohl über eine pyschobiologische Einheit
    im Menschen, die tradiert wird, sich unter Umständen (z.B. in einem anderen Um-
    feld) schnell ändern kann. Depressionen sind genetisch-psychologisch bedingt.
    Demgemäß sind die Menschen auch unterschiedlich begabt, darin jedoch natürlich
    gleichwertig (was ja auch Art. 3 GG sagt).

    Auf dem Dresdner Parteitag
    Es ist mir unverständlich, wie die Medien derart auf die Unternehmer einschlagen können, wo
    man doch weiß, dass solche Klischees unter Lenin, Stalin, Mao und Pol Pot zu Massenmorden
    an ihnen geführt hat.

    Kabinett
    G, kämpft um seinen Doktor wgen des Plagiatsvorwurfs. Dabei hat doch schon Whitehead gesagt,
    dass alles seit Platon langweilige Wiederholung ist. Man sollte die Hälfte Wissenschaft wegstreichen,
    die sich nur durch (ungerechtfertigte) Kritik an allem rechtfertigen kann. Macht alles kaputt.
    Kritik daran wird nicht mehr verstanden, weil Platon unbekannt. Die Gegenwart ist ja auch nicht
    so schlimm, daher Widerstand wie früher nicht notwendig, aber Einsamkeit, Rückzug, Askese,
    Waldgängertum … Gott wird schon die Selbsucht bestrafen, so wie er das Leben überhaupt straft,
    das ja immer nur auf Kosten anderer geht. Und erlöse mich aus dem Bösen, mehr können wir
    nicht hoffen. Von selbst kommen wir nicht raus.

    Am folgenden Tag wurde der Außenminister auf offener Straße von einem linksradikalen
    Freichormitglied der RAF – neu ermordet, als könne man so Gedanken auslöschen.

    letzte Notiz von ihm: Laßt die Leute doch in Ruhe, nicht immer von der Politik erziehen wollen – weder in
    Europa noch im Süden. Sie wissen schon, was sie machen müssen.

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