Welt aus dem Radio. Ein wunderbarer Kurzfilm über den Schulfunk der 1950er

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Am Samstag auf der Regensburger Kurzfilmwoche gesehen und heute im Netz gefunden: “Saba Meersburg” von Franz Winzentsen (*1939).

Ein wunderbar ironisches Autobio-Pic aus den Jahren 2001/02, in dem Winzentsen erzählt, auf welch herzzerreissend monolithische Art und Weise der Schulfunk des NDR/WDR versuchte, die Weltsicht einer ganzen Generation von 12, 13, 14 oder 15-jährigen zu formen: “Auch in Afrika trinkt man Bier” oder “Die Chinesen sind gute Handwerker.” Der Film analysiert allerdings auch die Untertöne der Radiosendungen, die im krassen Überlegenheitgestus präsentierten Darstellungen deutscher “Entwicklungshilfe” in Afrika und das Feiern “großer” Errungenschaften des Fortschritts wie die Käfighaltung von Hühnern. Mit subtilem Humor arbeitet Winzentsen das Sicherheitsdispositiv heraus, das die Sendungen durchzog und das den Schüler Vertrauen in den Gesellschaft und den Staat vermittelte: “Mit sicherem Instinkt finden die Zugvögel ihre Route”, “An vielen Straßenecken findet man eine Notrufsäule” oder “In jedem Papierkorb findet der Hausverwalter Frühstücksbrot”. Großartig, dieser Film!

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